Vexierbilder
Wenn es eines Beweises bedurfte, dass das Bühnenbild die Regie beherrschen oder sogar depotenzieren kann, so hätte die neue Hamburger «Aida» diesen Beweis erbracht. Johannes Leiacker, in Hamburg bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny («Don Carlos», «Die Meistersinger» und «Moses und Aron»), situiert das Geschehen in einen klinisch-kalten, ständig sich verändernden Raum, der mit seinen Hell-Dunkel-Kontrasten an die Vexierkünste der Op-Art erinnert.
Auf suggestive Weise entsteht aus dem Einheitsraum ein szenisches Panorama, in das geheimnisvolle Chiffren und Zeichen projiziert werden. Optischer Fixpunkt ist ein Bett, in dem Aida und Radamès offenbar eine Liebesnacht verbracht haben, bevor es zur Arena für den Liebeskampf zwischen Aida und Amneris wird und zur Chiffre für den Widerstreit von Macht und Sex und Herrschaft. Faszinierend das Schlussbild: ein perspektivisch ins Endlose reichender Tunnel, in dem nicht nur die Liebenden durch Gift aus einer Phiole sterben, sondern auch Amneris – ein beklemmendes Todesbild.
Guy Joosten gehört zu den Regisseuren, die im Übermaß das anbieten, wovon Fritz Kortner verschont bleiben wollte: Einfälle. Seit der Frankfurter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die...
Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wer die übelsten Ausgeburten des Opernunsinns diskutiert, landet schnurstracks bei Webers «Euryanthe». Was die unglückselige Helmina von Chézy da zusammendichtete, ist der Libretto-GAU par excellence, der größte anzunehmende Unfall. Wie die engelgleiche Titelheldin von dem Intrigantenduo Eglantine/Lysiart aufs...
Die russische Oper vor und neben Glinka und Mussorgsky ist in der westlichen Welt immer noch eine terra incognita. Dabei schlummern in russischen Rundfunkarchiven viele Gesamtaufnahmen von Werken des späten 18. (Paschkewitsch, Fomin, Bortnjanski) und frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts (Verstovski, Serov, Napravnik etc.), die die Legende Lügen strafen, es hätte...
