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Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die Wotanstöchter nach wie vor kaum eine überzeugende Analogie im wirklichen Leben finden.
Wo wären denn so wilde Mädchen, die tote Krieger einsammeln und auf das Kommando eines alten Herrn hören?
Die Antwort, die Barrie Kosky an Hannovers Opernhaus auf diese Frage versucht, ist immerhin spektakulär: Seine Walküren haben ihre Rüstungen mit alten Lederjacken vertauscht und sich eine verlassene Tankstelle als Treffpunkt ausgesucht. Selbstbewusst reihen sich diese bösen Motorradbräute an der Rampe auf und schleudern ihre Hojotohos als Kampfansagen ans Publikum – so sehen Walküren im MTV-Zeitalter aus. Ein polarisierender Knalleffekt ist diese an die Werke des US-Underground-Sexfilmers Russ Meyer («Die Satansweiber von Titfield») erinnernde Viertelstunde allemal. Leider aber auch nicht viel mehr. Denn schon die blutbesudelten nackten ...
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Was für ein Schicksal im frühen 18. Jahrhundert: Der Jude Joseph Süß steigt als Finanzberater zum mächtigen Geheimrat am Hof des Herzogs von Württemberg auf – und wird nach dessen Tod Opfer eines von der Öffentlichkeit begeistert gefeierten Justizmordes. Kein Wunder, dass die historische Figur die Nachwelt zur Auseinandersetzung angeregt hat, vom Märchen-Erzähler...
Kahlenberg nennt sich der Aussichtshügel am Rande Wiens, vor dem die Donaumetropole sich hinstreckt wie ein bunt bestickter Teppich. Der Name lädt freilich auch zu einem ätzenden Wortspiel in Zusammenhang mit dem Alban-Berg-Jubiläum und den Wiener Festwochen 2010 ein. Denn Letztere feiern die 125. Wiederkehr des Geburtsjahrs dieses Komponisten mit einem ziemlich...
Wenn ich mich an Mieczyslaw Weinberg erinnere, an seine Musik und seinen Einfluss auf meine Generation, so kann ich mich eines gewissen Schuldgefühls nicht erwehren. Natürlich hätte ich mich aktiver darum bemühen können, diesen großen und ungewöhnlichen Musiker öfter zu treffen, doch meine Schüchternheit hinderte mich daran. Eigentlich hatte ich nur eine einzige...
