Vexierbilder
Bei aller Düsternis, Schwärze und depressiven Kraft hat der Abend auch etwas von einer Etüde. Er wirkt so, als wolle die Oper sich versuchsweise mit dem sogenannten postdramatischen Theater abgleichen. Als würde Andrea Breth, die nicht nur vom Schauspiel kommt, sondern auch Schauspiel unterrichtet, mal ausprobieren, wie viel man rüberholen kann in die andere Gattung. Also werden die Elemente des Theaters so kräftig auseinandergetrieben, wie es bei einer achtzig Jahre alten, für den Guckkasten geschriebenen Literaturoper eben geht.
Konkret heißt das: Der Text transportiert nicht mehr Rede und Gegenrede. Die Figuren sind keine Charaktere. Die Handlung läuft nicht mehr linear ab. Stattdessen: Ereignisse, die sich durch Wiederholung und Differenz ergeben; Vexierspiele, die sich gegen semantische Eindeutigkeit sträuben; autonom Theatrales, das hermeneutische Umarmungen von sich weist. Noch konkreter heißt das: Die Figuren singen und schauen sich nicht an, sondern aneinander vorbei. Sie spielen keine Geschichte, sondern bewegen sich starr und schablonenhaft. Doppelgänger allesamt. Untote, die schon einmal da waren und wiederkehren. Slow Motion ist angesagt. Ritual auch. Es gibt nicht ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Purcells «Fairy Queen» in neunzig Minuten? Ein Ende des 17. Jahrhunderts uraufgeführtes Prunkstück für Londons höfische Gesellschaft frei nach Shakespeares «Sommernachtstraum» mit jungen Chorsängern und Solisten, die gerade ihre ersten Schritte auf der Bühne machen? Kann das gut gehen? Es kann. Wer da an eine Schnapsidee oder Hochleistungssport für den Nachwuchs...
Der Himmel hängt voller Folianten. Es wirkt bedrohlich, wenn sich aus dem Schnürboden eine gigantische Bücherwand auf Fausts Studierstube herabsenkt. Noch schwerer als das gesammelte Wissen allerdings drückt den Herrn Doktor die Last des Alters. Da aber weiß zum Glück Monsieur Mephisto Rat – und tatsächlich zwängt sich ein frühlingshaft belaubter Ast durch die...
Einmal noch Salzburg. Ein letztes Mal. Ab 2013 wechseln die Berliner Philharmoniker mit «ihren» (so das brandneue, schicke Magazin des Orchesters) Osterfestspielen bekanntlich nach Baden-Baden. Über das Possessivpronomen kann man streiten. Gewiss, Herbert von Karajan hat das Festival 1967 mit der Absicht begründet, Qualitäten und Kapazitäten des Klangkörpers auch...
