Verteidigung der Poesie
30 Jahre hat Giacomo Meyerbeer um seine letzte Oper gerungen. Genau zur Halbzeit schrieb er seinem Librettisten Eugène Scribe ein fast völlig neues Stück vor. Da das Publikum aber schon Jahre auf die angekündigte «Afrikanerin» gewartet hatte, wagte man nicht zu gestehen, dass aus ihr inzwischen eine Inderin geworden war. Chemnitz hat die historisch-kritische Ausgabe des Stücks erstmals unter jenem Titel herausgebracht, den Meyerbeer selbst ihm in seinem Tagebuch gab: «Vasco de Gama». Venedig, die Deutsche Oper Berlin und andere ziehen nach.
Ein Werkstattgespräch mit Frank Beermann, dem Initiator und Dirigenten der Uraufführung
Das Erstaunlichste an «Vasco de Gama» (wie man Giacomo Meyerbeers Oper in der vom Komponisten hinterlassenen Fassung zur Unterscheidung von ihrer posthumen Bearbeitung «L’Africaine» durch François-Joseph Fétis künftig nennen sollte) ist die Zartheit und Zerbrechlichkeit. Schumann, Berlioz, Wagner haben uns eingebläut, Meyerbeers Musik als Synonym für Schwulst und Knalleffekte zu verstehen. Debussy stöhnte, man müsse die jährliche Wiederaufnahme der «Hugenotten» an der Salle Garnier wie den unvermeidlichen Frühjahrsschnupfen über sich ergehen lassen. Der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 38
von Boris Kehrmann
Sie hat Mut. Fährt schon mal volles Risiko. Befragt jedes Stück radikal aufs Hier und Heute. In zwingenden, oft surrealen Bildern. Um sich und uns zu überraschen. Das ist Tatjana Gürbaca, der «Regisseurin des Jahres», immer wieder gelungen, seit sie im Jahr 2000 beim Grazer «Ring Award» reüssierte. In der vergangenen Saison mit einem schaurig-schönen, unter...
Braunhemden, Hakenkreuzbinden, Tod im Gas: Wenn das Grauen der NS-Vergangenheit auf der Opernbühne verhandelt wird, geht die Sache meist schief. Burkhard C. Kosminskis SS-«Tannhäuser» in Düsseldorf und der zwanghafte Hitlergruß von Bayreuths nächstem «Parsifal»-Regisseur Jonathan Meese sind aktuelle Beispiele dafür, wie die Ausstellung des Bösen (bzw. das Spiel...
Herr Bostridge, Sie haben sich intensiv mit den Werken beschäftigt, die Benjamin Britten für den Tenor Peter Pears geschrieben hat. Was erzählen sie über Brittens Beziehung zu Pears?
Sie erzählen mehr als genug über Leidenschaft, Schuld und Unbehagen. Man hört, finde ich, dass Britten sich anfangs mit seiner Sexualität nicht ganz wohlfühlte. Er hätte die...
