Versunkene Paradiese, freche Pointenparade
Selten wurde so viel Aufhebens um ein unartiges Kind gemacht: Für ihre konzertante Aufführung von Ravels dreiviertelstündigem Meisterwerk «L’Enfant et les Sortilèges» versammelten die Berliner Philharmoniker im November 2008 eine Sängerriege, mit der man eine ganze Serie von Galaabenden hätte bestreiten können. Auf dem Podium scharten sich Stars wie José Van Dam, Annick Massis, Nathalie Stutzmann und natürlich Rattle-Gattin Magdalena Kozená – da durfte man durchaus auf eine neue Interpretation mit Referenzcharakter hoffen.
Dass der jetzt von der EMI veröffentlichte Mitschnitt zwar eine gute, aber keine außergewöhnliche Aufnahme ist, liegt jedoch gerade an den Stars, die zwar Stilbewusstsein, aber nicht in jedem Fall die optimalen Stimmen mitbringen. François Le Roux produziert als Großvateruhr viel heiße Luft, Annick Massis ist als Feuer etwas tantenhaft, und das komische Talent von Nathalie Stutzmanns China-Tasse hält sich in Grenzen (als Mutter ist sie allerdings besser). Der Star der Aufnahme ist ohnehin das Orchester: Die Berliner spielen Ravels Partitur ganz auf Raffinesse hin und entfalten, etwa in der Märchenbuch-Episode, die duftige Aura ihres lichten, schwerelosen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sprachskepsis ist ein Grundmotiv der Moderne. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts brach sich das Misstrauen in die Zuverlässigkeit des Wortes und der Rede Bahn: In seinem berühmten «Tractatus logico-philosophicus» (1918) versuchte Ludwig Wittgenstein zwar noch, formale Bedingungen für den wahren Gebrauch der Sprache zu definieren, doch der letzte,...
Wenn Text und Musik einer Opernpartitur die Grundlage aller Überlegungen für eine Inszenierung abgeben, wie Regisseure gern betonen, ohne immer danach zu handeln, dann gilt für die Werke Richard Wagners noch etwas anderes. Das Wesen des Musiktheaters, der Kern, war für ihn das Drama, «das wirklich vor unseren Augen sich bewegende Drama», das, was in Bildern einer...
Wenn es um Visionen geht, um die Kraft der Vorstellung von etwas, das nicht ist, aber sein könnte und vielleicht auch sein müsste, dann wird es oft schwierig. Träumen ist etwas anderes. Planen auch. Das Dazwischen sagt viel über innere Kraft, über geistige Größe, über Kommunikationsfähigkeit, den Blick in die Zukunft und einen Realitätsbezug, der vom eigenen Ich...
