Versunkene Paradiese, freche Pointenparade
Selten wurde so viel Aufhebens um ein unartiges Kind gemacht: Für ihre konzertante Aufführung von Ravels dreiviertelstündigem Meisterwerk «L’Enfant et les Sortilèges» versammelten die Berliner Philharmoniker im November 2008 eine Sängerriege, mit der man eine ganze Serie von Galaabenden hätte bestreiten können. Auf dem Podium scharten sich Stars wie José Van Dam, Annick Massis, Nathalie Stutzmann und natürlich Rattle-Gattin Magdalena Kozená – da durfte man durchaus auf eine neue Interpretation mit Referenzcharakter hoffen.
Dass der jetzt von der EMI veröffentlichte Mitschnitt zwar eine gute, aber keine außergewöhnliche Aufnahme ist, liegt jedoch gerade an den Stars, die zwar Stilbewusstsein, aber nicht in jedem Fall die optimalen Stimmen mitbringen. François Le Roux produziert als Großvateruhr viel heiße Luft, Annick Massis ist als Feuer etwas tantenhaft, und das komische Talent von Nathalie Stutzmanns China-Tasse hält sich in Grenzen (als Mutter ist sie allerdings besser). Der Star der Aufnahme ist ohnehin das Orchester: Die Berliner spielen Ravels Partitur ganz auf Raffinesse hin und entfalten, etwa in der Märchenbuch-Episode, die duftige Aura ihres lichten, schwerelosen ...
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