Vereist
Riesig ist das Bett, auf dem Violetta liegt, in Laken gewickelt. Mit letzter Kraft schraubt sie sich hoch, als endlich der ersehnte Alfredo das schummrige Zimmer betritt. Nur durch ein winziges Fenster wird es angedeutet. Im Angesicht des Todes beginnt die Protagonistin immer heller und heller zu strahlen, die anderen Anwesenden verschwinden sukzessive als Silhouetten im Dunkel. Bis sich das Licht auch von Violetta allmählich löst und ein heller Balken auf der Projektionsfläche höher und höher steigt.
Mit diesem magischen Finale versöhnt Robert Wilson all jene Besucher des Linzer Musiktheaters, die womöglich eine psychologische Tiefenschau erwartet hatten. Doch nichts liegt diesem Meister der Langsamkeit und seiner bildmächtigen Formensprache ferner. Wilson mit Verdis «La traviata» zu betrauen, einer der turbulentesten Opern der Musikgeschichte, aus der gleichsam das soziale Gewissen der Kunst zu den Massen spricht, konnte nur einem stets das Risiko suchenden Impresario wie Gerard Mortier in den Sinn kommen. Das Teatro Real in Madrid wagte sich nach dessen Tod nicht mehr an die Umsetzung des Projekts, so dass es nun überraschenderweise in Linz aus der Taufe gehoben wurde.
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Reinhard Kager
Die Einschnitte gehen nicht allein auf den Regisseur zurück. Auch wenn Michael Thalheimer für seine Vorliebe bekannt ist, die ihm anvertrauten Werke mit der Schere zu stutzen. «Das war Kent Naganos Idee», betont Johannes Blum, der neue Chefdramaturg an der Hamburgischen Staatsoper. Tatsächlich lässt sich Hamburgs frisch gebackener Generalmusikdirektor im...
Mit szenischen Glanzleistungen haben die Moskauer Opernhäuser ihr Publikum in der vergangenen Spielzeit zwar nicht verwöhnt – es gab wenig Neues und kaum Extremes zu sehen –, doch musikalisch lohnte mancher Abend den Gang ins Theater. Tugan Sokhiev etwa gab mit einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Jungfrau von Orléans» seinen Einstand als Musikchef des...
Das «Lamento» des Federico gehört ins Repertoire aller italienischen Tenöre seit Caruso, doch die Oper, aus der es stammt, Francesco Cileas «L’Arlesiana» (1897), wird selbst in ihrem Ursprungsland kaum noch gespielt. Federico, Sohn der Gutsbesitzerin Rosa Mamai, verliebt sich in eine Frau aus Arles, deren Untreue ihn um den Verstand bringt. Auch die Jugendfreundin...
