Verdi-Dämmerung in Parma

Dynamic dokumentiert «Ernani» live aus dem Teatro Regio

Opernwelt - Logo

Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht, der ro­bus­tere amerikanische Bariton Cornell McNeil brach eine Vorstellung des «Maskenball» mit dem ins Auditorium geschleuderten Ruf «Basta, cretini!» kurzerhand ab. 
Tempi passati.

Heute werden in Parma auch Sänger gefeiert, die ihre Parts eher schlecht als recht bewältigen. So der relativ junge Bassist Giacomo Prestia, der schon jetzt so stumpf und abgesungen klingt wie ein Siebzigjähriger, was zwar dramaturgisch, aber keineswegs musikalisch aus der Rolle des Silva zu legitimieren ist. Der Rest ist nur unwesentlich besser. Marco Berti muss Ernanis heroische Kraft regelrecht herbeistemmen und klingt nur in den Mezzavoce-Par­tien der Schlussszene einigermaßen entspannt. Susan Neves (Elvira) ist eine Freistilsängerin, die zwischenzeitlich durch schöne Piano-Phrasen überrascht, und Carlo Guelfi bringt für die Königspartie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: CDs, Seite 58
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart: Don Giovanni

Der Zuschauerraum des Innsbrucker Landestheaters spielt in diesem «Don Giovanni» immer mit, nicht nur wenn in der hier favorisierten Wiener Fassung Zerlina den Schwindler Leporello frech herausfordert und hinter dem Dirigenten an einen Stuhl fesselt. Von Anbeginn ist klar: Hier wird Theater gespielt. So schlei­chen sich die Figuren noch vor ihrem eigentlichen...

Englisches Understatement

Das neunzehnte Jahrhundert konnte mit Mozarts und da Pontes scuola degli amanti nicht viel anfangen. Ihre tragikomische Versuchsanordnung über die regellose Macht des Eros und die Fragilität der Liebe galt als unschickliche Trivialität. Ein Genie habe da seine «himmlisch süßen Melodien» an «ein ... elendes Machwerk von Text» verschwendet, glaubten nicht nur die...

Zwischen Chip und Skriptorium

Das diesjährige «Internationale Festival für neues Musiktheater» in München war eine Jubiläums-Biennale. Nicht nur wurde mit mehreren Konzerten und ­einem Symposion der Gründer und langjährige Leiter Hans Werner Henze aus Anlass seines 80. Geburtstags am 1. Juli gefeiert. Auch der künstlerische Ertrag konnte sich sehen und hören lassen: zwei he­raus­ragende,...