Venus hat die Hosen an

Giovanni Legrenzis «La divisione del mondo» an der Opéra national du Rhin: Jetske Mijnssen und Christophe Rousset lassen ein erotisches Panoptikum aus dem Jahr 1675 glitzern

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Fast ist es wie bei Richard Wagner in Nibelheim: Der Big Boss der Götter hat Mühe, seinen Laden zusammenzuhalten. Zum Karneval 1675 servierte Giulio Cesare Corradi eine wilde Geschichte aus dem Olymp – am Teatro Vendramin in Venedig, in der Nähe der Rialto-Brücke. Die im Titel erwähnte Aufteilung der Welt zwischen Jupiter und den Abteilungsleitern für das flüssige Element (Neptun) sowie für die Unterwelt (Pluto) kommt in Corradis Libretto nur am Rande zur Sprache. Im Fokus steht das Treiben der Venus, die am liebsten mit jedem ins Bett steigt.

Derart Laszives war offensichtlich nach dem Geschmack des zahlenden Publikums im «Las Vegas» der Frühen Neuzeit. Die Oper hielt sich fast ein Vierteljahrhundert auf den Spielplänen. Wiederentdeckt wurde sie von Thomas Hengelbrock, der sie im Mai 2000 in Schwetzingen präsentierte, im Juni 2018 gab es in Kiel die zweite szenische Produktion seit dem 17. Jahrhundert.

Was interessierte die Zeitgenossen Newtons und Racines an dieser Story? Natürlich die Gratwanderung zwischen Promiskuität und der notdürftigen Herstellung der moralischen Ordnung zum Schluss. Aber auch die Musik des heute kaum bekannten Giovanni Legrenzi mit ihren häufigen ...

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Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Anselm Gerhard

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