Vehikel für Gesangsstars
Das öde Spektakel, das Bartlett Sher um das geplante Traumpaar Anna Netrebko und Rolando Villazón herumarrangiert hat und für das Gounods «Roméo et Juliette» der austauschbare Anlass war, gehört nicht zu den künstlerischen Ruhmestaten der letzten Salzburger Festspiele. Als sich Netrebko wegen ihrer Schwangerschaft abmeldete, war es schon zu spät für eine echte Alternative. In der blutjungen Georgierin Nino Machaidze glaubte man einen würdigen Ersatz für die neue Diva gefunden zu haben.
Sie wirkt tatsächlich wie ein Netrebko-Klon, liefert seelenlosen Schöngesang ab und verkennt mit ihrem affig-koketten Spiel die Rolle ganz und gar. Für die tragischen Szenen hat sie dann nicht mehr als einen Bardot’schen Schmollmund anzubieten. Villazón brüllt sich als Roméo die Seele aus dem Leib und scheint mit weit aufgerissenem Mund die Kamera buchstäblich auffressen zu wollen. Die vier großen Duette des klassischen Liebespaares lassen jede Poesie vermissen. Sehr erfreulich hingegen ist der noble Bassgesang des jungen Mikhail Petrenko als Frère Laurent, auch die in jeder Hinsicht imposante Susanne Resmark prägt sich mit der Charaktercharge der Gertrud nachhaltig ein. Yannick Nézet-Séguins ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die fast schon verbindliche Richtung der «Holländer»-Deutung geht im Wesentlichen auf Joachim Herz’ kühne Berliner Inszenierung zurück, die von Harry Kupfer 1978 in Bayreuth aufgegriffen wurde. In die Phalanx der diversen Erben und Nutznießer reihte sich nun in Basel auch der Video-Clipper und «Nordwand»-Filmer Philipp Stölzl ein – mit nicht unbeträchtlichem...
Seit ihrer Entdeckung vor gut einem Jahrzehnt hat Zemlinskys Oper «Der König Kandaules» in der Rekonstruktion von Anthony Beaumont eine bemerkenswerte Karriere an überwiegend großen Häusern gemacht. Das experimentierfreudige Pfalztheater in Kaiserslautern demonstriert nun, dass auch ein kleines Haus sein Repertoire mit dem späten Meisterwerk des Wiener Komponisten...
Schon nach den ersten Takten ist klar, wer im neuen Hallenser «Don Carlo» den Ton angibt: So tonschön und ausdrucksstark ist der Klang, den der neue Chefdirigent Karl-Heinz Steffens mit seiner Staatskapelle formt, dass man ihm später kleinere Probleme wie das gelegentliche Übertönen der Sänger oder Koordinationsschwächen in den großen Chorszenen gern verzeiht. Das...
