Zeichenhafte Klarheit
Seit ihrer Entdeckung vor gut einem Jahrzehnt hat Zemlinskys Oper «Der König Kandaules» in der Rekonstruktion von Anthony Beaumont eine bemerkenswerte Karriere an überwiegend großen Häusern gemacht. Das experimentierfreudige Pfalztheater in Kaiserslautern demonstriert nun, dass auch ein kleines Haus sein Repertoire mit dem späten Meisterwerk des Wiener Komponisten erfolgreich erweitern kann.
Die Inszenierung von Henry Arnold betont das Zeichenhafte in der Geschichte vom König, der die unsagbare Schönheit seiner Frau nur genießen kann, wenn auch andere daran teilhaben.
Thomas Dörflers Bühne mit ihrer ovalen Öffnung und dem an eine Felsengrotte erinnernden Hintergrund schafft einen mystischen Raum, in dem eine skurril-kafkaeske Hofgesellschaft und der Morbidezza ausstrahlende König aufeinander treffen.
Verhandelt wird die Frage, ob Glück voraussetzt, dass man es am Urteil anderer messen kann. Kandaules geht dabei so weit, seine geliebte Nyssia unter Nutzung eines unsichtbar machenden Rings dem Fischer Gyges zuzuführen, nachdem er sie bereits vor seinen Höflingen gegen ihren Willen entschleiert hat.
Das Experiment endet tödlich: Die getäuschte Nyssia schwärmt ihrem Gemahl von der ...
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