Unternehmen Titanic
Wenzel Strapinski kann es gar nicht fassen: Die Bewohner des Städtchens Goldach halten ihn tatsächlich für einen Grafen! Dabei ist er doch nur ein armes Schneiderlein. Sicher, er trägt einen edlen Mantel – doch der ist sein einziger Besitz, eine wärmende Werbefläche gewissermaßen, Vorzeigeobjekt seiner Handwerkskunst mit Nadel und Faden. Das Theater Vorpommern zeigt «Kleider machen Leute», eine musikalische Komödie, die Alexander Zemlinsky 1910 recht frei nach Gottfried Kellers berühmter Erzählung komponiert hat.
Es ist eine Art kleinbürgerliches Gegenstück zum «Rosenkavalier», im leichten, oft volkstümlich angehauchten Konversationston gehalten, versehen mit interessanten Orchesterzwischenspielen, in denen Zemlinsky der Musik diverse klangliche Outfits überstreift: Da hört man Strauss’sche Opulenz oder zartbittere Mahler’sche Melancholie, da klingt die Prügelfuge der «Meistersinger» durch, ja, da gibt es selbst frechen, großstädtischen Expressionismus à la Kurt Weill. Unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Golo Berg vollzieht das Philharmonische Orchester Vorpommern souverän Zemlinskys chamäleonhafte Metamorphosen nach, der von Anna Töller exzellent präparierte Chor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Frederik Hanssen
Der Titel lockt den Hörer in die Märchenwelt – und in die Irre: Eine «romantische Oper» nennt Franz Ignaz Danzi seinen 1813 in Karlsruhe uraufgeführten Zweiakter, doch ein Vorläuferwerk des «Freischütz» ist «Der Berggeist» nicht. Dafür ist der 1763 geborene Danzi zu sehr Mozartianer. Auch wenn er Geister und Gnomen, Nixen und Meerungeheuer auftreten lässt, äußern...
Strauss’ «Capriccio»: verkanntes Alterswerk oder dramaturgisches Monstrum? Die Antwort hängt von der Tagesform ab. Zweieinhalb Stunden lang wärmen eine Gräfin und ein Graf, ein Theaterdirektor, ein Musiker, ein Dichter und eine Schauspielerin die alte Polemik auf: «prima la musica» oder «prima le parole»? Sie wollen Musik und Text fruchtbar zu einer Oper verweben....
54. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752257
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 10.6.2013
Redaktion
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann...
