Lob der Ironie
Strauss’ «Capriccio»: verkanntes Alterswerk oder dramaturgisches Monstrum? Die Antwort hängt von der Tagesform ab. Zweieinhalb Stunden lang wärmen eine Gräfin und ein Graf, ein Theaterdirektor, ein Musiker, ein Dichter und eine Schauspielerin die alte Polemik auf: «prima la musica» oder «prima le parole»? Sie wollen Musik und Text fruchtbar zu einer Oper verweben. Zu einer Oper über sich selbst, über ebendiese Debatte. Zu guter Letzt muss noch geklärt werden, ob sich die Dame des Hauses nun für den Musiker oder den Sänger entscheidet.
Antwort: für keinen, denn es geht ja um Synthese. Das Ganze lässt sich als Gegenstand intellektueller Rätselspiele gut ertragen, und über die Qualität der Musik müssen wir nicht streiten. Bühnenwirksamkeit stellt sich allerdings nicht von selbst her.
Diese Aufgabe hat Intendant Serge Dorny einem Regisseur übertragen, der sich mit Musiktheater-Projekten «nach» Komponisten (wie «Lulu» nach Wedekind und Berg) einen Namen gemacht hat: David Marton. Beinahe ist es schade, dass er in seiner ersten «vollgültigen» Opernregie so nah am Werk bleibt. Die Inszenierung geht subtil analytisch vor (ebenso analytisch: Christian Friedländers Bühne, ein Querschnitt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff
In der Welt der Oper tickt die Uhr mancherorts langsamer – und so ist die Provokation, die «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» 1930 darstellte, im goldprunkenden Neo-Rokoko-Rund des Wiesbadener Theaters bis heute recht einfach zu haben. Da zünden die bissigen Texte noch, da wird im Festspielpublikum gezischt, wenn die Prostituierte Jenny ihren Slip auszieht. So...
Luca Pisaroni
Lange war er der Leporello vom Dienst. Dabei reicht das Repertoire des italienischen Bassbaritons Luca Pisaroni von Händel bis zu Strawinsky. In der neuen «Così» bei den Salzburger Festspielen wird er die Partie des Guglielmo singen. Höchste Zeit für ein Gespräch.
100 Jahre Verona
Seit 1913 wird in der antiken Arena di Verona Oper gespielt. Zum...
Die finnische Mezzosopranistin Virpi Räisänen gehört zu einer neuen Generation von Sängerinnen und Sängern, die sich ihr Repertoire quer durch die Stile und Epochen erarbeiten. Glucks Orfeo und die Dorabella singt sie ebenso selbstverständlich wie Berios «Sequenza III». In Salzburg trat sie in Rihms «Dionysos» und in «Al gran sole» von Nono auf, und als...
