Unruhige Träume
Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts feiert mit Silvia Colasantis «La metamorfosi» in Italien ein Opernerstling Premiere, der auf einer Vorlage Franz Kafkas beruht. Vorausgegangen war Alberto Collas «Il processo», 2002 am Teatro Municipale in Reggio Emilia uraufgeführt. Kurz vor der Uraufführung von «La metamorfosi» hatte ein Kritiker konstatiert, das Werk sei von «Gestalten eines unruhigen, unbefriedeten Klangs des Unbehagens» durchdrungen.
Das war wohl auch zu erwarten, zumal Kafkas Erzählung «Die Verwandlung» inzwischen eher als Allegorie auf eine Zivilisationsdämmerung gelesen wird denn als surrealistische Schilderung einer Familientragödie, die sie ja vordergründig auch ist. Dass die meisten künstlerischen Schöpfungen der Moderne, auch jene der Tonkunst, mit dem Unbehagen vertraut, wenn nicht gar in ihm behaust sind, dürfte heute, knapp ein Jahrhundert nach der Veröffentlichung von Kafkas Text, kaum mehr eine neue Erkenntnis darstellen.
Nur ist zu befürchten, dass derlei Sprachformeln den Facettenreichtum und die Plastizität der kompositorischen Sprache Silvia Colasantis verkürzen könnten, zumal die junge Römerin in der Lage zu sein scheint, auch ganz andere Saiten ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Carlo Vitali
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