Ein Schiff wird kommen – doch wann?
Der Großsponsor der Wiener Festwochen spendiert in diesem Jahr jedem Besucher einen putzigen Kugelschreiber mit nautischem Innenleben: Hält man das Schreibgerät schief, segelt eine winzige Galeone den gläsernen Schaft hinunter. Sie schafft Verbindung zum Cover der Festwochen-Broschüre und dem offiziellen Plakat: Zwei afrikanische Roomboys mit Bodenschrubbern links und rechts von einer leeren kleinen Hotel-Bühne postiert, deren Hintergrund ein Gemälde mit besagtem Segelschiff bildet.
Es ist ein Tableau aus der Filmtrilogie «Paradies», mit deren erstem Teil der Österreicher Ulrich Seidl vor ein paar Wochen das Publikum in Cannes provozierte. Handelt der Streifen doch weniger von Schiffen als von «Sugar Mamas», weißen Frauen mittleren bis gehobenen Alters, und ihrer Sehnsucht nach dem Gemächt junger kenianischer Callboys.
Das Bild suggeriert nicht nur die Sehnsucht und Neugier von «Ein Schiff wird kommen», von der Seidl in diesem Zusammenhang sprach, sondern vor allem Unterdrückung, Dritte Welt, Sklavenhandel. Und – denkt man an den Film, aus dem es stammt – natürlich Prostitution. So schafft man als Betrachter, tiré par les cheveux, dann doch den Assoziationsbogen zu Verdis Oper von ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Gerhard Persché
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