Ungebrochene Entdeckerfreude
Ich treffe Ray Corish vor dem Touristenbüro am schmuck renovierten Kai von Wexford – im Rücken das Denkmal für John Barry, den aus Wexford stammenden «Vater der amerikanischen Marine», vor uns einige Muschelfangschiffe, die im kleinen Hafen des irischen Seestädtchens mit 20 000 Einwohnern ankern. Ray, ein ehemaliger Immobilienmakler, hat viel zu erzählen über seine Stadt, die von den Wikingern gegründet wurde, später den Normannen in die Hände fiel und auch während der langen Union Irlands mit England immer wieder durch rebellische Manöver auffällig wurde.
Er zeigt mir Schauplätze, Kultstätten, Gräber, Inschriften («sorry for all these boring details») – bis wir den Stolz der Stadt erreichen: das hochaufschießende National Opera House.
Während die Hauptstadt Dublin bis heute kein eigenes Opernhaus besitzt, ist in Wexford 2008 ein moderner Bau mit zwei schönen, holzgetäfelten Sälen entstanden. Wenn man seinen Platz oder die Bar im Obergeschoss mit ihrem umwerfenden Blick über die Bucht erreichen will, läuft man ständig über schmale Stiegen, denn der Architekt Keith Williams musste das neue Haus auf das beengte Grundstück des ehemaligen Theatre Royal setzen. Regisseurin Rosetta ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen
Man fühlt sich in den pastoralen Chor- und Chanson-Sätzen an die schöne Schlichtheit Glucks, in den Arien an die Seelentiefe und den Buffo-Geist Mozarts erinnert. Man genießt die tänzerische Champagnerspritzigkeit und die effektpralle Kontrastdynamik der französischen Barockoper, dazu die tollen Terzette, die lustvolle Lautmalerei. Und doch kommt uns kaum eine Note...
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die...
Achtung: Spoiler-Alarm. So heißt es ja neuerdings, wenn man etwas verrät, was der Leser vielleicht (noch) gar nicht wissen will. Aber Gastregisseur Vasily Barkhatov hat vorab im Programmheft preisgegeben, was seine «Tosca» von anderen unterscheidet: Der Täter ist hier auch Opfer. Und opfert sich bewusst – durch die Tat einer anderen. Verwirrt?
Denkfaulere...
