Unerhört
Die Wiederbelebung vergessener und vernachlässigter (Bühnen-) Werke ist seit vielen Jahren das künstlerische Markenzeichen des Festivals della Valle d’Itria. Dass im Palazzo Ducale eine Partitur erklingt, die nie zuvor zu hören war, passiert freilich selbst im auf Raritäten abonnierten Martina Franca nicht alle Tage. Doch mit Saverio Mercadantes 1831 für Madrid komponierter «Francesca da Rimini» stand tatsächlich eine echte Uraufführung auf dem Programm.
Warum das durch Dantes «Inferno» inspirierte Stück (Libretto: Felice Romani) es damals weder in Spanien noch in Italien auf die Bühne schaffte, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Fanden sich keine Solisten, die die heiklen, an Rossini orientierten Gesangspartien hätten bewältigen können? Lag es an den Tücken des gleichsam symphonisch durchgebildeten Orchestersatzes? Auch die aus dem düsteren Stoff abgeleitete dunkle Grundfarbe der Musik mag seinerzeit (noch) für Irritationen gesorgt haben.
Pier Luigi Pizzi inszenierte die Geschichte Francescas – deren historisches Vorbild, Francesca da Polenta, im 13. Jahrhundert von ihrem Mann wegen Ehebruchs ermordet wurde – in karger Kulisse und einer auf das Nötigste beschränkten ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 34
von Carlo Vitali
Gerade ist in Verona das Arena Opera Festival 2016 zu Ende gegangen. Wie so oft in den vergangenen Jahren erlaubte die angespannte finanzielle Situation nur einen eher müden Spielplan mit notdürftig aufgepeppten Altinszenierungen der «Aida», «Carmen», «Turandot», «Traviata» und des «Trovatore». Als einzige Neuerung im Déjà-vu waren zwei Leuchttafeln für Untertitel...
Im letzten Jahr ist eine fünfstündige Film-Dokumentation über die Entstehung des Mannheimer «Ring»-Zyklus erschienen. Man sieht alle Beteiligten auf der Bühne wie in den Werkstätten, vom Regisseur Achim Freyer bis zur Souffleuse und den Statisten. Nur einer bleibt ausgespart: der Opernintendant Klaus-Peter Kehr. Man hört lediglich seine Stimme aus dem Off, als er...
Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» am Teatro Colón – das hat es noch nie gegeben. Eine Erstaufführung, nicht nur in Buenos Aires und Argentinien, sondern in ganz Südamerika. Die Einzigartigkeit, die außergewöhnliche Qualität dieses Ereignisses kann man nicht genug betonen. Und seine Tragweite besser verstehen, wenn man es aus der Geschichte des Hauses betrachtet.
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