Und ewig lockt das Mittelalter
Immer weniger Natur, immer mehr Industrie, mehr Technik, mehr Tempo, mehr soziales Gefälle. Die Menschen im 19. Jahrhundert lehnten sich auf gegen die rasante Veränderung ihres Lebensumfeldes. Schon Goethe ahnte, dass die Entwicklung, deren Anfänge er mitbekam, einschneidend und unumkehrbar war. Und er war froh, dass er sie nicht mehr erleben musste. In der Oper spiegelte sich die Suche nach einer Gegenwelt, nach Ausflucht und den Möglichkeiten einer bunten Fantasie vor allem im Rückgriff auf das Mittelalter.
Zwei denkbar kontrastreiche, lange vergessene Stücke zeigen, wie das konkret klingen konnte. In beiden Fällen musste das Notenmaterial erst mühevoll erstellt werden, war der Aufwand der Einstudierung enorm. In beiden Fällen hat er sich gelohnt. Denn es geht um zwei Wiederentdeckungen von musikgeschichtlicher Signifikanz. Dass die ästhetische Qualität der Stücke oft zu wünschen übrig lässt, steht dazu nicht im Widerspruch.
Das Theater Chemnitz brachte 2008 eine szenische Produktion von «Il templario» heraus (siehe OW 5/2008). Otto Nicolai war dreißig Jahre alt, als er dieses «Melodramma» nach Scotts «Ivanhoe» schrieb. Mit seinen späteren «Lustigen Weibern von Windsor» hat es ...
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Die Musik von Monteverdi, die Kostüme von Velázquez, das Bühnenbild von Magritte, das Make-up à la Marcel Marceau, die Körpersprache aus dem japanischen Nô Theater. Das war der erste Eindruck, als sich der Vorhang für Robert Wilsons «Orfeo»-Inszenierung an der Scala hob (eine Koproduktion mit der Opéra National de Paris; 2011 soll «Il ritorno d’Ulisse in patria»...
«Coloraturas» heißt das neue Album von Diana Damrau. Der Schriftzug ist so angelegt, dass das Wort «Colors» herausfällt. Koloraturen also als Farben. Das ist nicht zu viel versprochen. Wer Diana Damrau je auf der Bühne erlebt hat, weiß: Das kann sie. Es erklärt aber noch nicht, warum diese Sopranistin (die 2008 im Jahrbuch der «Opernwelt» zur «Sängerin des Jahres»...
Acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes Götz Friedrich wagt sich Karan Armstrong an ihre erste eigene
Inszenierung. In den goldenen Zeiten an der Deutschen Oper Berlin konnte sich die amerikanische
Sopranistin so manches von den Regisseuren abschauen, die Götz Friedrich geholt hatte. Würde es ihr gelingen, dieses Wissen in der Rostocker «Traviata» weiterzugeben?
Wenn...
