Umtausch ausgeschlossen

Mozart: Die Zauberflöte Bern / Theater

Opernwelt - Logo

Wir befinden uns im Kaufhaus «Sarastro’s», dessen Firmenlogo mit dem großen S ganz zufällig dem Dollarzeichen gleicht. Hoch oben im zehnten Stockwerk residiert der geheimnisvolle Boss, umringt von seinen Logenbrüdern mit Kapitalistenzylindern auf dem Kopf. Und unten im Keller rumort zwischen allerlei Gerümpel die Königin der Nacht. Die szenische Klammer bildet der Aufzug, dessen Automatiktür das ganze Bühnenportal deckt. Mit einem einfachen Trick – senkrecht bewegliche Wandstreifen links und rechts – wird der Eindruck der Auf- und Abwärtsfahrt hervorgerufen.

Das ist nicht nur witzig, sondern auch funktional, was die Szenenwechsel angeht. Denn die Handlung spielt auf den diversen Verkaufsetagen, wobei das Warenangebot als Requisite und Dekoration dient. Die drei Damen verkaufen Parfümerie im Parterre, die Schlange im ersten Bild ist ein Plastik-Dino aus der Spielzeugabteilung, und wenn sich Monostatos über Pamina hermacht, zerrt er sie in die Umkleidekabine. In der Bildnis-Arie singt Tamino eine nackte Schaufensterpuppe an. Das Leben, ein Kaufhaustraum. Und die «Zauberflöte» ein Märchen aus der kapitalistischen Warenwelt.

Aber wie es mit dem Kapitalismus halt so ist: Geheimnisse, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Max Nyffeler

Weitere Beiträge
«Betulia liberata» in Potsdam

Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...

Orpheus zum Dritten

Glucks erste große Reformoper, in deren Zentrum der mythische Sänger Orpheus steht, kennt man in zwei Fassungen – der 1762 in Wien uraufgeführten italienischen Azione teatrale und der 1774 in Paris aus der Taufe gehobenen französischen Tragédie-opéra. Dass es noch eine dritte gibt, war bisher nur Spezialisten bekannt. Als Gluck 1769 den Auftrag annahm, für Parma im...

Der Held, hilflos

Ein Un-Ort. Ein ungemütlicher Platz. Auf der weiten Basler Arbeitsbühne etliche Wasserbeete und ein gewaltiger Kran, dessen untere «Etagen» etwas bemüht auch Desdemonas Gemach hergeben. Susanne Gschwenders «Otello»-Szene sagt viel – vor allem, dass niemand freiwillig hier ist. Schon gar nicht die gefesselten und von Stacheldraht eingezäunten Massen, die am...