Um der Wahrheit willen
Über Aktualität und Relevanz der Oper wird seit ihren Anfängen gestritten. Und die Rhetorik der Unmöglichkeit, ja vom Tod der Gattung bildet von jeher die Begleitmusik. Besonders an ihrer Inszenierung, am zeitgebunden wechselnden Zusammenspiel von Klang, Körper, Kostüm, Licht und Raum entzünden sich immer wieder heftige Debatten. Doch was heißt es eigentlich, die aufwendigste, komplizierteste und verrückteste aller Künste im 21.
Jahrhundert fragend zu vergegenwärtigen? Vor neun Jahren hat Gerard Mortier (1943-2014), damals Intendant des Teatro Real in Madrid, diese Frage ins Zentrum eines Vortrags gestellt, der nun erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht wird
Die Oper ist eine urbane Kunst, also eine Kunst der Stadt, so wie das Theater in Athen eine Kunst der Polis war. Es sind die Bürger, die der Oper Leben verleihen. Im Teatro Olimpico in Vicenza, einem der ersten Beispiele eines Theatergebäudes nach italienischer Art, war die Bühne ein Abbild einer italienischen Renaissance-Stadt. Diese fungierte als Bühnenbild für die ersten Aufführungen zum Beispiel von Sophokles’ «König Ödipus». Auf diese Weise konnten die Theaterbesucher etwas sehen, was sie selbst und ihre eigenen ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Essay, Seite 50
von Gerard Mortier
Die instrumentalen Partituren von Adriana Hölszky wirken mit ihren dauererregten, chaotisch zerfaserten Texturen immer schon wie ein Klangtheater, das sich mit surreal anmutenden Bildwelten seine eigene Szenerie schafft. Doch in Verbindung mit einer Bühneninszenierung werden noch einmal ganz andere Schichten freigelegt. So geschehen mit der Komposition «Roses of...
Sie können sich freuen in München. Mit Vladimir Jurowski tritt ab der Spielzeit 2021/22 ein Dirigent der Extraklasse in die Fußstapfen von Kirill Petrenko als Musikchef der Bayerischen Staatsoper. Neuerlicher Beweis: der Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Pique Dame» in Tel Aviv – mit Jurowski am Pult des Israel Philharmonic...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
