Überspannte Seele
Könnte es sein, dass der schweizerisch-amerikanische Komponist Ernest Bloch mit seiner Oper «Macbeth» dem dramatischen Idiom des Shakespeare’schen Königsdramas näherkommt als Verdi? Man ist versucht, die Frage mit Ja zu beantworten, wenn man die erste professionelle U. S.-amerikanische Produktion des Dreiakters gehört hat, die jüngst an der kalifornischen Long Beach Opera herausgekommen ist.
Andererseits fällt ein eindeutiges Urteil schwer angesichts der spezifischen räumlichen Umstände, unter denen die Inszenierung des Künstlerischen Leiters Andreas Mitisek stattfand: Eine lange Traverse, die sich zwischen den Tribünen des am Hafen von Los Angeles gelegenen World Cruise Center erstreckte, bildete die Bühne, auf der sieben Sängerdarsteller die zahlreichen Figuren aus Blochs umfänglichem Personal verkörperten. Die Partie des Pförtners indes wurde bedauerlicherweise gestrichen und die Partitur auf eine Gesamtdauer von nurmehr knapp zwei Stunden gerafft.
Dennoch: Die Vorstellung imponierte – durch ihre Mächtigkeit wie durch ihr Verstörungspotenzial: Regisseur Mitisek glückte mit seiner zwischen verhaltener Intimität und expressionistischem Grauen oszillierenden Inszenierung ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Simon Williams
Lieder von Charles Ives – das ist in Europa nach wie vor ein nahezu unbekanntes Terrain. Dabei hat der Amerikaner fast 200 Songs geschrieben, die meisten zwischen 1898 und 1918. Vielleicht hängt die Reserve in der Alten Welt mit der Skepsis zusammen, die Ives gegenüber dem klassischen und romantischen Kunstlied hegte. Statt an Beethoven, Schubert oder Brahms...
Ob er denn schon von seinen Malkünsten erzählt habe? Und dass er, wenn er in seine Heimatstadt Odessa zurückkehre, immer in der Kirche singe? Mama ist besorgt, ob auch alles gesagt wird, Papa hält sich zurück. Beide sind gewissermaßen Beisitzer bei diesem Interview. Den Sohn haben sie ein paar Tage zuvor auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters erlebt – und sind...
Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Komponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das...
