Übermalungen
Helge Leiberg sitzt im Parkett des Magdeburger Opernhauses an Overhead-Projektoren und malt. Was er auf die Folien wirft, wird live auf Leinwände und Personen projiziert, auch auf Marie-Luise Strandts weißen Kubus, der mittlerweile zu so etwas wie einem Markenzeichen der Inszenierungen von Arila Siegert geworden ist. Diesmal wirkt er verbraucht. Wenn Titelheld Otto II. nach siegreicher Seeschlacht den Piraten Emirenus an Land bringt, zieht Leiberg einen gelben Strich für den Strand und einen blauen für das Meer. Wenn die Szene einen Garten darstellt, sprießen Blumen und Bäume.
Und in der Sturmszene, die die Regisseurin im dritten Akt einfügt, weil Händel sie im Libretto voraussetzt, aber nicht komponiert hat, malt Leiberg eine Karavelle, die in einer Sintflut aus Wasserfarben eindrucksvoller versinkt als in Telemanns doch recht filigraner «Hamburger Ebb und Fluth»-Musik «Der stürmische Aeolus».
Siegert greift zu Live-Übermalungen, um die häufigen Szenenwechsel der Barockbühne zeitgemäß zu umgehen. Es gibt aber auch einen dramaturgischen Grund: Teofanes «Falsa immagine» ist eine Bildnis-Arie. Die byzantinische Prinzessin hat sich zu Hause in das Porträt des deutschen Kaisers ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Boris Kehrmann
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