Überflüssig

Bizet: Carmen Paris / Opéra Bastille

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Vor der Opéra Bastille demonstriert eine dichte Menschenmenge für die Homoehe, es erfordert Geduld und Körpereinsatz, sich überhaupt den Weg ins Theater zu erkämpfen. Da macht die Biederkeit der neuen Pariser Carmen doch recht betroffen: Söldner in beigen Uniformen treffen in ­einer Lagerhalle auf Tabakarbeiterinnen, deren bunte Trägerhemdchen unterm offenen Kittel auf sinnliches Eruptionspotenzial weisen. Auch bei Carmen selbst ist die Erotik schablonisiert: Sie gibt in blonder Perücke und schwarzem Satinhängerchen den Monroe-Männertraum, allerdings ohne deren Verletzlichkeit.

Micaëla fährt in Baskenmütze Fahrrad, das sie, selbst ist die Frau, eigenhändig repariert. Bei Lillas Pastia gibt’s Disko inklusive Transe vom Dienst – man fragt sich, wer das noch sehen will. Am Ende erwürgt José Carmen kreativ mit einem Hochzeitskleid. Mehr gibt es nicht zu sagen: Die erste Carmen nach zehn ­Jahren (zuletzt wurde an der Bastille 2002 die ­Alfredo-Arias-Produktion von 1997 gezeigt) verströmt Belanglosigkeit. Und auch die musikalische Leistung ist durchwachsen: Carmens Sexappeal hat, was ja leicht geschieht, bei Anna Caterina Antonacci viel Gewolltes, auch schleicht sich in der Höhe eine ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff

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