Tugend schlägt Reichtum

Rheinsberg, Piccinni: La Cecchina

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Wer ein Schloss bewohnt, verkörpert zwangsläufig ein Stück Tradition. Man trägt also Louis Quinze beim Marchese della Conchiglia (ein Hoch auf die edel genähten Rokoko-Kostüme von Jens Hübner), möchte heute aber auch im Schlosstheater Rheinsberg auf die Annehmlichkeiten der Moderne nicht mehr verzichten. Als da wären Sonnenbank, Hometrainer, höllisch rote Pumps und die hauseigene Cupido-Bar, an der am Ende von Niccolò Piccinnis 1760 in Rom mit einer reinen Männerbesetzung uraufgeführten «Cecchina» eigentlich alle Intrigen und Missverständnisse ins Reine gebracht werden sollten.


Die Einblicke allerdings, die die acht Personen in Simone Zeisberg-Meisers schnörkelloser Inszenierung (mit jungen Sängern und Musikern der Musik­akademie Rheinsberg) einander in den voraufgegangenen drei Stunden in ihr Charakterkostüm gewährt haben, macht die Sache nicht einfach. Da wäre der Cavaliere Armidoro: Er fährt in einer Stretchlimousine vor, um Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande zu treffen. Das Bühnenbild, eine Orangerie mit haushohen Tür­flügeln, die sich wie Buchseiten umschlagen lassen und immer neue Ansichten enthüllen, zeigt den Wagen in Groß­fotografie so hochglanzpoliert, dass sich die ...

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Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 46
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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