Tribunal, Groteske, Innenschau
Auch im Jahr nach seinem 100. Geburtstag steht Benjamin Britten weltweit auf den Spielplänen der Opernhäuser – was einmal mehr unterstreicht, dass es ihm als vorerst letztem Komponisten gelungen ist, mit seinem Schaffen im Repertoirebetrieb allgegenwärtig zu sein. Das liegt nicht nur an der musikdramatischen Stringenz der Werke, sondern auch an ihren verstörenden, den dunklen Seiten des Menschseins zugewandten und gerade dadurch aufrüttelnden Sujets.
«Es sind», so Leonard Bernstein, «Getriebe, die knirschen, die sich reiben, nicht bloß ineinandergreifen, und sie bereiten uns großen Schmerz.» Das haben Aufführungen von «The Rape of Lucretia», «Billy Budd» (siehe OW 7/2014) oder «Death in Venice» jüngst eindrucksvoll bewiesen, und selbst eine scheinbar harmlose Komödie wie «Albert Herring» besitzt, wie Verdis «Falstaff», ihre Widerhaken.
«The Rape of Lucretia» in Bielefeld
Brittens erste Kammeroper «The Rape of Lucretia» entstand binnen Jahresfrist nach dem Sensationserfolg von «Peter Grimes» bei der Londoner Uraufführung 1945. Statt eines naturalistischen Dramas werden wir hier zu Zeugen eines distanzierten Geschehens, das Elemente des epischen Theaters benutzt und durch die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Hoch gelobt, aber kaum gespielt, das ist das Schicksal von Berthold Goldschmidts musikalischer Tragikomödie «Der gewaltige Hahnrei» – 1932 in Mannheim uraufgeführt, dann unter das Verdikt der Nationalsozialisten geraten, 1992 konzertant und 1994 szenisch in Berlin wiederentdeckt, danach nur noch in Bern und in Darmstadt angerührt. Jetzt hat sich das Stadttheater...
Die Londoner Wigmore Hall, Lieblingskonzertsaal vieler Liedsänger und Kammermusikensembles, lädt regelmäßig herausragende Künstler zur Gestaltung einer eigenen Konzertreihe ein. In der Saison 2012/13 war Iestyn Davies «countertenor in residence». Die Mitschnitte von zwei seiner drei Konzerte sind beim hauseigenen Label der Wigmore Hall erschienen und zeigen zwei...
Das ehemalige Schloss der Fürsten Schwarzenberg in Ceský Krumlov besitzt mit dem barocken Schlosstheater, dem einzigen mitsamt der Bühnenmaschinerie vollständig erhaltenen Barocktheater neben dem im schwedischen Drottningholm, eine Perle der europäischen Theaterarchitektur. Obwohl dort so gut wie keine Opernaufführungen stattfinden, durfte man gespannt sein auf...
