Thema verfehlt
Dass Senta die eigentliche Hauptfigur im «Fliegenden Holländer» und dieser nichts anderes als eine Projektion von ihr ist, lässt sich aus Text und Musik dieser romantischen Oper ohne Umwege begründen, und es bietet sich als Ausgangspunkt für eine Interpretation aus heutiger Sicht geradezu an. Florentine Kleppers Einfall, die Geschichte in sich überlagernden Rückblenden Sentas zu erzählen, ist also nicht umstürzend neu. Eine kleine Landzunge, die ins Meer hinausragt, wird zum Ort der Erinnerung.
Diese setzt mit der (musikalisch nicht unterfütterten, pantomimisch ausgeführten) Seebestattung Dalands ein; die kleine Senta erlebt (erträumt?) den Auftritt des Holländers, der sie als «gepriesenen Engel» Gottes ansingt. Später wechselt die Wahrnehmungsperspektive. Im zweiten Akt ist Senta erwachsen (doch noch immer geistert sie gleichzeitig als Kind über die Bühne), im dritten erscheint sie im Brautkleid. Träume und Wirklichkeit, Gestern und Heute schieben sich auf der Szene oft undurchschaubar ineinander, Tiefenpsychologie und Schwarze Romantik mischen sich in verstörender Weise.
So weit, so gut. Das alles lässt sich aus der Vorlage ableiten. Doch Frau Klepper gehört offensichtlich zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ekkehard Pluta
Kurz vor dem Ende der letzten Spielzeit hatte es nach chaotischem Vorlauf doch noch geklappt: Der Sieben-Stunden-Kurz-«Ring» des Teatro Colón ging mit großem Tamtam über die Bühne (siehe auch Seite 32). Doch waren es in den Medien weniger beachtete Produktionen, die in Buenos Aires für frische Opernerlebnisse sorgten: Enescus «Oedipe» und Szymanowskis «Hagith»...
Die Königin der Nacht: mochte sie nicht («Keine Chance, aus der Figur etwas zu machen», sagte sie unlustig im Vorfeld der Salzburger «Zauberflöte» von Achim Freyer im Jahr 1997). Blondchen: mochte sie auch nicht. Überhaupt: Es gebe sehr wenige Rollen für sie, mit ihrer kleinen Stimme. Und jetzt, mit 48, denkt sie ans Aufhören. Juliette? Lucia? Adina? «In meinem...
Sie haben sich respektiert. Geistesverwandte waren sie nicht. Karlheinz Stockhausen, der katholisch sozialisierte Klangmystiker aus dem Bergischen Land, und Luciano Berio, der sinnlich-sonnige Gefühlsharmoniker aus Ligurien. Und doch gab es auch Verbindendes – nicht nur den Gedankenaustausch in Darmstadt, von dem ein bekanntes Foto aus dem Jahr 1956 zeugt: die...
