Thema verfehlt
Verdis «Otello» einem Schauspielregisseur anzuvertrauen, der seinen Shakespeare kennt, ist eine naheliegende Idee. Und da die Musik vom ersten bis zum letzten Takt szenisch und auch räumlich konzipiert ist, muss sich auch ein relativer Opernneuling keine handwerkliche Blöße geben, wenn er nur zu lesen und zu hören versteht. Andreas Kriegenburg, derzeit Hausregisseur am Deutschen Theater, liegt bei seinem Debüt an der Deutschen Oper trotzdem daneben. Statt die Geschichte Shakespeares und Verdis schlüssig zu erzählen, funktioniert er das Stück zum Immigranten-Drama um.
Schauplatz der Handlung (Bühne: Harald Thor) ist ein Durchgangslager im Innern eines Schiffes. In sieben Stockwerken an den Seitenwänden des Raums sind die Flüchtlinge in kleinen, käfigartigen Behausungen untergebracht und erwarten ihr weiteres Schicksal. Was sich vor ihnen auf der Szene abspielt, tangiert sie nur am Rande.
Dieser Grundeinfall trägt zum Verständnis des Dramas nichts bei, lenkt sogar von diesem ab. Alles wird eher beiläufig erzählt, die Handlung entwickelt keine Dynamik und schon gar keine Zwangsläufigkeit, was auch an der Besetzung des Jago mit dem tüchtigen Verdi-Bariton Zeljko Lucic liegt, dessen ...
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