Tage der Tat
Irgendwie fühlt man sich als deutscher Tourist in Rotterdam immer ein bisschen klein und schuldig, wenn man unter Wolkenkratzern an modernen Läden und schicken Cafés mit lachenden Besuchern vorbeiflaniert. Denn das kühl glitzernde Hightech-Image, das die Hafenstadt am Rheindelta so radikal vom urbanen Museum Amsterdam unterscheidet, wäre undenkbar ohne die deutsche Bombardierung am 14. Mai 1940, die den alten Hafen und die Innenstadt ausradierte.
Kaum ein altes Gebäude hat überlebt, und direkt hinter meinem gemieteten Hausboot am Wijnhaven, mit dem ich mir für die Zeit des Opernfestivals ein Holland-Klischee erfülle, reckt Ossip Zadkines gespaltene Bronzefrau zur ewigen Mahnung ihre verdrehten Arme in den Himmel.
«Das ist hier immer noch ein großes Trauma», sagt Guy Coolen, der Künstlerische Leiter der Operadagen Rotterdam. Vor einigen Jahren hat man ihn aus Antwerpen geholt: weil er als Chef der Theatertruppe Transparant über internationale Beziehungen und einen Horizont für neue ästhetische Lösungen verfügt; sicher aber auch weil Belgien eher als Opernland gilt als die Niederlande. Neben der Nederlandse Opera in Amsterdam gibt es im Königreich nur zwei Abstecherunternehmen, von ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Michael Struck-Schloen
Jubilare
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