Subtile Seelenkunde
Venedigs Musikgeschichte betört durch ihre Fülle und ihre Kontraste. Die Mehrchörigkeit in San Marco ist ein Anfang. Die barocke Oper ein anderes Kapitel. Wagner und Verdi verband viel mit der Serenissma. Später ging es Igor Strawinsky und Luigi Nono nicht anders. In den letzten Wochen lockte das Teatro Malibran mit Premieren der Opernpioniere Cavalli und Galuppi. Davon und von den neuesten, Klänge aus Venedig betreffenden DVDs berichten die folgenden Seiten. Ein paar Geheimtipps für Musikfreunde gibt es auch...
Die Götter waren verrückt, und das Publikum wurde verrückt.
1993 spannte Herbert Wernicke eine ganze bacchantische Welt zwischen feuerroter Bretterschräge und einem ptolemäischen Bühnenfirmament, das dem Deckenfresko des Palazzo Farnese in Caprarola nachgebildet war. Ein Rasen im Liebeswahn. Jupiter und Diana, Sterbliche und Unsterbliche, Jungfrauen und Draufgänger lechzten nach Zärtlichkeit, wüteten vor Eifersucht, badeten in schmerzvoller Lust und lustgeilem Schmerz. Es begann burlesk und endete, nach vier prallen Opernstunden, mit einer Tragödie der Einsamkeit. Die Aufführung kam zunächst in Brüssel heraus, feierte 1996 auch an der Berliner Staatsoper Triumphe und ...
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Das Faszinierende an Venedigs Musikgeschichte ist ihre Jahrhunderte überspannende Vielfalt. Es beginnt mit Vokalpolyphonie der Renaissance und reicht, mit nur wenigen Unterbrechungen, bis ins Heute. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Teatro La Fenice ein Jahrzehnt wichtiger Uraufführungen: Strawinskys «The Rake’s Progress» (1951), Brittens «The Turn of the...
Im Osten Schären, die sich ins Meer neigen. Im Westen Steilklippen, in denen Vögel brüten. Dazwischen Grasdächer und knallbunte Holzhäuser. Die Faröer im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island, haben alle dieselbe topografische Signatur. Achtzehn Inseln sind es, baumlos, geprägt von bizarren Formationen aus Vulkangestein. Siebzehn davon sind...
Der Direktor der Wiener Staatsoper Ioan Holender sei so autark, dass es ihm egal sein könne, wer unter ihm österreichischer Kanzler ist, meinte einmal ein Kommentator. Mag sein. Oder auch nicht. Auf jeden Fall ist Holender stets streitbar, wenn es um die Belange seines Hauses geht. So hatte er im Vorjahr im Zusammenhang mit der geplanten Übertragung von «Elisir...
