Der Liebestrank des Mr. Bean
Der Direktor der Wiener Staatsoper Ioan Holender sei so autark, dass es ihm egal sein könne, wer unter ihm österreichischer Kanzler ist, meinte einmal ein Kommentator. Mag sein. Oder auch nicht. Auf jeden Fall ist Holender stets streitbar, wenn es um die Belange seines Hauses geht. So hatte er im Vorjahr im Zusammenhang mit der geplanten Übertragung von «Elisir d’amore» den ORF ignorant genannt. Nicht ganz zu Unrecht, wollte man das Ganze doch zeitversetzt ins Spätabendprogramm abschieben. Zunächst reagierte das Fernsehen beleidigt und strich die Übertragung ganz.
Später freilich suchte man wohl am sich entwickelnden Popularitätskuchen des neuen «Traumpaars der Oper» mitzunaschen und brachte die Opernaufzeichnung im Hauptprogramm. Nun liegt sie auch auf DVD vor.
Im Mittelpunkt der Aufführung stand eindeutig Rolando Villazón. Die Ähnlichkeit des Mexikaners mit dem englischen Schauspieler Rowan Atkinson – in Europa vor allem durch seine Pantomimen des Mr. Bean bekannt – wurde inzwischen so oft beschrieben (eingestandenermaßen auch vom Schreiber dieser Zeilen), dass man diese erneute Erwähnung gerne der Plattitüde zeihen darf. Und doch förderte gerade die Aufführung des «Elisir» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Zu behaupten, dass man heute Musik schreiben kann, die nicht den Zustand von Verheerung widerspiegelt, dem die Menschen im Spätkapitalismus unterworfen sind, heißt, Musik mit Scheuklappen schreiben, um es vorsichtig zu sagen», bemerkte Hans Werner Henze 1969 in «Musik ist nolens volens politisch». Später freilich relativierte er diese Behauptung, doch die...
Esultate! L’orgoglio musulmano sepolto è in mar, nostro del ciel è gloria! Das hätte man gegenwärtig auch benediktisch zugespitzt, sozusagen auf des Krummsäbels Schneide, inszenieren können. Doch Christine Mielitz lässt den «muselmanischen Stolz» szenisch unkommentiert, nutzt vielmehr Unwetter und Sturm pantomimisch zur (nur bei Shakespeare geschilderten)...
Da sind sie wieder, all die Bekannten aus dem Regietheater der Gegenwart: ein Einkaufswagen, ein paar Bierkästen, ein Gitterzaun, die Filmkamera – natürlich mit Simultanübertragung. Irgendwann ist Sperrmüllsammlung, könnte der weniger erfahrene Theatergänger mutmaßen, dann nämlich, wenn die Akteure das gesamte Gerümpel auf einen großen Haufen schmeißen. Dabei ist...
