Stockhausen auf Youtube

Plädoyer für die Kunst hier, tändelndes Spiel dort: Wagners «Meistersinger» in Halle und Dresden

Opernwelt - Logo

Hier geht es ums Ganze. «Kunst ist das größte, menschlichste und erhabenste politische Spiel», so steht es auf dem Transparent, das Hans Sachs während des Vorspiels auf der karg ausgestatteten Bühne installiert. Der Spruch wirkt zwar plakativ und pauschal, aber hier, in einer schleichend ausdünnenden Kulturlandschaft, hat er seinen Sinn.

Warum sollte man in Halle schon wieder die althergebrachte «Meistersinger»-Thematik von künstlerischer Tradition und Innovation diskutieren? In dem kulturpolitischen Rahmen, innerhalb dessen ein kleines mitteldeutsches Opernhaus das Mammut-Lustspiel stemmt, stünde so eine Diskussion auf elfenbeinernen Füßen. Denn dieser Rahmen wird heute vor ­allem von der Frage bestimmt, ob Kunst eine Finanzierung aus Steuermitteln noch wert ist oder nicht.
Die Plakat-Aktion zeigt an, dass der Katastrophenfall schon eingetreten ist: Mit ihr wird Sachsens Schlussansprache vorweggenommen, ein wütendes, einsames Plädoyer für ästhetisches Denken und Handeln. Am Ende ist Sachs dann gänzlich verlassen – der Schlusschor kommt aus Lautsprechern. Auch die übrigen Meister von Halle finden sich als vereinzelte, verunsicherte Sonderlinge mit ihrem skurrilen Hobby ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Heimatlos

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring...

Erinnerungen an einen Ausnahmesänger

Es ist schon verwunderlich, dass über Gottlob Frick, den König der deutschen Bassisten der Nachkriegszeit, bis dato zwar eine Fülle von Einzeldarstellungen existierten, aber keine Biografie zur Verfügung stand. Jetzt ­allerdings ist dieser Mangel behoben durch den im Stieglitz-Verlag erschienenen Titel «Der Sängerfürst» von Klaus Günther, der zum diesjährigen...

Mittelklasse

«It contains nudity», warnt das Cover auf der DVD-Ersteinspielung der fragmentarisch überlieferten Vivaldi-Oper «Ercole su’l Termo­donte». Tatsächlich ließ der amerikanische Bühnenbildner/Regisseur John Pascoe den attraktiven, wenn auch keineswegs herku­lischen Titelhelden der Ausgrabung beim Spoleto-Festival (siehe OW 9-10/2006) antik auftreten: nackt mit...