Stimmen, Laute, Geräusche

Der Schauspieler Stefan Kaminski bringt «Das Rheingold» als subtiles Hörspiel – und verschafft Wagner neues Publikum

Opernwelt - Logo

Der Tarnhelm ist ein roter Zahnputzbecher. Durch ihn hat sich Alberich in einen Riesenwurm verwandelt – und auch der braucht keine grüne Schuppen, Bühnen­nebel und Bodenversenkung. Der Schau­spieler Stefan Kaminski, von eher zier­licher Figur, steigt in Jeans und T-Shirt auf seinen Drehstuhl und schlägt sich wild auf die geschwellte Brust. Die junge Live-Hörspiel-Gemeinde am Deutschen Theater Berlin versteht das Selbstzitat – eine Reminiszenz an das «King-Kong»-Hörstück vom letzten Sommer.

Jetzt kommen die meisten hier erstmals mit Wagner in Berührung und werden ihn zwangsläufig mit «King Kong» vergleichen. Ergebnis: «Der Ring des Nibelungen», oh Wunder, ist in seinen Theatermitteln spartanisch, in seiner Erzählhaltung lakonisch und fein. Jedenfalls bei «Kaminski On Air». Seit Dezember ist Stefan Kaminskis «Rheingold»-Adap­tion, auf der kleinsten Nebenbühne des Hauses, ausverkauft. Doch auch in den größeren Kammerspielen, wo der eigenwillige Audiokünstler nun spielen darf, setzt er nur selten exaltiert auf Körperlichkeit. Die optischen Mittel reichen gerade, um die Hörfantasie der Zuschauer in die richtige Richtung zu lenken. Ein bohrender Blick, ein kurzes Zusammenkneifen des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: Magazin, Seite 25
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bellini: Norma

«Norma» ist in Regensburg eine Sänger­oper, was Georgios Vranos mit dem gleichermaßen kraftvoll aufspielenden wie geschmeidig begleitenden Philharmonischen Orchester unterstreicht. Die Solis­ten nutzten alle Möglichkeiten, ihre Qua­litäten in den Dienst der Tragödie zu stellen. Christina Lamberti trumpfte mit tragender Stimme auf. «Casta diva» begann sie...

Abgekühlt

Kann man ein Märchen ohne Emotionen erzählen? Ohne Wärme und ohne Fantasie? «A Flowering Tree» von John Adams, uraufgeführt bei Peter Sellars’ Wiener Mozartfest im November 2006, handelt von dem Mäd­chen Kumudha, das sich in einen blühenden Baum verwandeln kann. Die Metamorphose zum Baum und wieder zurück dient dem Lebensunterhalt der Mutter, die Blüten verkauft...

Lust und Unlust im Orchestergraben

Staatsoperndirektor Ioan Holender nennt die Wiener Philharmoniker gern «das bes­te Opernorchester der Welt». Nicht alle freilich teilen seine Meinung, speziell hinsichtlich der Darbietungen im Opern­alltag. Schuld an der gelegentlich hörbaren Unlust der Musiker seien, heißt es, deren Unterdotierung sowie das leidige Rotationsprinzip und, damit verbunden, auch jenes...