Starke Frauen
Wolfgang Sawallisch war, das ist angesichts seiner legendären Wagner- und Strauss-Aufführungen in Vergessenheit geraten, ein brillanter Mozart-Interpret. «Così fan tutte» gelang ihm am besten: mit einer kühlen Eleganz, die dem Marivaux-Sujet optimal gerecht wurde und gleichzeitig mit der atmenden Emotionsintensität, die Mozart ihm hinzufügt. Auch als er im Juli 1973 die Rennert-Premiere von «Don Giovanni» leitete – es war die erste von Mozarts Oper im wiederaufgebauten Münchner Nationaltheater – gelang alles auf eine unspektakuläre Weise richtig.
Zwar hat dieser Mozart-Stil nichts mit dem zu tun, was man heute «Alte Musik» nennt, trotzdem stimmt jedes Tempo. Das Bayerische Staatsorchester spielt mit rhythmischer Agilität, es herrscht (wie oft bei Sawallisch) ein vorwärtsdrängender, gleichwohl in den Proportionen genau abgewogener Grundduktus. Elegant sind Holzbläser und Streicher aufeinander bezogen, nehmen Nuancen voneinander ab.
Wie genau Sawallisch die Tempi trifft, zeigt exemplarisch Zerlinas «Batti, batti»-Arie – im ersten Abschnitt flott und (der Situation entsprechend) unruhig, im Sechs-Achtel-Teil nur leicht gesteigert, eher zusammengerafft. Keine Unklarheiten, keine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Stephan Mösch
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen...
Der dunkle Bruder des Erfolgs heißt Vergessen. Wie bei Glucks und Bertonis «Orfeo», Mozarts und Gazzanigas «Don Giovanni». Oder eben bei Gioacchino Rossinis und Giovanni Paisiellos «Il barbiere di Siviglia». Warum wurde das eine Werk von der Rezeption hofiert, das andere hingegen auf ein Abstell- oder zumindest Nebengleis geschoben? Bei Paisiellos «Barbiere» mag...
Die Londoner Wigmore Hall gilt als Mekka des Liedgesangs, und Robin Tritschler hat sich den Weg dorthin nicht erschlichen. Der junge Ire – kein Deutscher, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte –, ist Absolvent der Royal Irish Academy seiner Heimatstadt Dublin sowie der renommierten Königlichen Akademie in London und Träger des Kathleen-Ferrier-Award, war...
