Spitzentöne aus der Pappkulisse

Oft unfreiwillig komisch: Opern-Archäologisches aus amerikanischen TV- und Film-Archiven

Opernwelt - Logo

Das Internet spricht eine deutliche Sprache. Wer sich ein paar Tage nach dem Tod von Birgit Nilsson und Anna Moffo etwa auf der Seite www.youtube.com einklickte, der fand dort nicht nur wunderbare Videoclips diverser lange verstummter Belcanto-Größen von Ettore Bastianini bis Zinka Milanov, sondern ebenso von trauernden Fans frisch hi­nein­gestellte TV-Ausschnitte mit den eben entschlummerten Diven. Denn das Auge isst bekanntlich mit.

Natürlich sind Moffo wie Nilsson akustisch gut und greifbar dokumentiert, doch sind wir schließlich alle Voyeure, und gerade bei der Moffo war die äußere Erscheinung mindestens ebenso Teil des Primadonnen-Gesamtkunstwerks wie die vokale Grundausstattung. Auch die Nilsson hat ihre optisch eindrucksvollen Momente. Und je länger die Glanzzeit der Vokalstars zurückliegt, desto ephemerer werden sie jenseits ihres CD-Erbes als Persönlichkeiten für nachwachsende Opern­fans, die nicht erst bei Bartoli, Fleming, Netrebko & Co einsteigen wollen.
Inzwischen trägt dem – ähnlich wie bei den mehr oder weniger legalen his­torischen Aufnahmen – ein wachsender DVD-Markt mit historischem Film- und TV-Material Rechnung. Markführer sind dabei die von Codaex nach und nach ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 27
von Manuel Brug

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tatjanas Traum

Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Diese...

Donizetti: La Favorite

Nicht «Spirto gentil», sondern «Ange si pur»: Der junge Klosterbruder, den die Liebe erwischte, lässt sich nun auch in Zürich auf Französisch vernehmen. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass Gaetano Donizettis «Favoritin» sich in der Pariser Urfassung wesentlich genauer den Worten anschmiegt als in der mit links erstellten späteren italienischen Version. «La...

Geschenk zur Silberhochzeit

Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in ­einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...