Sempre aperto - per tutto

Zwischen Oper und Konzert, zwischen Barock und Moderne: Die Altistin Ortrun Wenkel beherrscht die Kunst der ­wohlüberlegten Grenzüberschreitung.

Opernwelt - Logo

Die Initialzündung kam von Peter Stoltzenberg, damals Intendant in Heidelberg. Er hatte die junge, im Konzert­bereich schon weithin bekannte Altistin Ortrun Wenkel mit weltlichen Bach-Kantaten gehört und war hingerissen von ihrer theatralischen Ausstrahlung, die sie ohne szenische Unterstützung allein aus ihrer Persönlichkeit he­raus auf dem Podium entwickelte.

Also schrieb er ihr einen Brief und bot ihr auf seiner Bühne den Gluck’schen «Orpheus» an, der – es war 1971 – ein Riesenerfolg wurde und den Ausschlag dafür gab, dass die Sängerin mit der charaktervoll sonoren, mühelos und nie forciert bis in extreme Tiefen hinabsteigenden Stimme ihre Termine fortan zwischen Konzert- und Opernverpflichtungen aufteilte – und in beiden Bereichen auf ihrer Karriereleiter höchste Hö­hen erklomm.
Bis dahin war Ortrun Wenkels Weg nicht ohne äußere Widerstände, aber doch zielstrebig und ohne größere Rück­schläge verlaufen. Im thüringischen Jena wuchs sie beschützt im Schoß einer musisch-humanistisch gebildeten Familie auf und konnte schon früh ihr Stimmtalent erproben, wenn etwa ihre Großmutter, die sehr gut Klavier spielte, sie und ihre drei Geschwister zum Quartettsingen anleitete oder wenn sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der geknetete Geist

Heinrich Heine, am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren, am 17. Februar 1856 zu Paris gestorben. Neben Goethe vermutlich Deutschlands populärster Dichter. Zu Lebzeiten ein gefürchtetes Lästermaul und ein begnadeter Poet. Die Zahl der Vertonungen, die auf seine Texte zurückgehen, streift die Zehntausender-Marke. Er war für die Komponisten jedoch nicht nur...

Die Oper zur Pisa-Studie

Das Vorspiel zu einem tollen Tag, in der Tat. Die Ouvertüre zur «Hochzeit des Figaro» – bei Karen Kamensek und dem in kleiner Besetzung klaglos mitpreschenden und nirgends ins Flattern geratenden Freiburger Philharmonischen Orchester ist das ein Mozart des enormen Tempos. Ein Sturm braust über das Anwesen derer von Almaviva hinweg: Revolution ante portas – und...

Monteverdi: Die Krönung der Poppea

Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe...