Schwacher Einstieg
Ulrich Peters hat zu Beginn seiner Intendanz am Gärtnerplatztheater auf einen großen Namen gesetzt und mit dem siebzigjährigen Alfred Kirchner (dessen Inszenierung der «Soldaten» 1987 in Frankfurt ebenso unvergessen ist wie sein «Lohengrin» auf dem Campingplatz in Oslo) dennoch nicht das große Los gezogen. An zwei zentralen Figuren wird die Crux der Inszenierung deutlich.
Sandra Moon als Gräfin müsste, einer scheußlichen braunen Lockenperücke und dem penetranten rosa Negligé, das sie den ganzen Abend trägt, zum Trotz, die komponierte Verzweiflung ihrer beiden Arien zum Ausdruck bringen und nicht nur angenehme Töne produzieren. Der schön, aber ebenso vielschichtig singende Stefan Sevenich wäre ein überzeugender Figaro, hätte der Regisseur seinen explosiven Spieltrieb gelenkt. Ähnlich unscharf gerät die Charakterzeichnung der übrigen Figuren: Die Susanna der Stefanie Kunschke ist bloß Kammerkätzchen mit Soubretten-Stimme; Susanne Drexl als Cherubino klappert zwar wunderbar mit den Zähnen und schlottert am ganzen Körper, wenn sie aus dem Kühlschrank befreit wird, in dem sie sich vor dem Grafen verstecken musste, aber die Erotik der Figur bleibt reduziert auf neckische Flirts. Gary ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das entscheidende Kriterium für die Repertoiretauglichkeit einer Barockoper sei nicht die Musik, sondern die Handlung, erklärte René Jacobs einmal. Während nämlich die Musik bei vielen Werken von hoher Qualität sei, besäßen nur wenige Libretti genug dramatische Stringenz, um heute noch auf der Bühne zu überzeugen. Wer einmal versucht hat, sich die Inhaltsangabe...
Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der «Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in...
