Schach dem Mythos
Agamemnon, der griechische Feldherr im Krieg gegen Troja, hat eine der Diana heilige Hirschkuh getötet. Die erzürnte Göttin verhindert daraufhin das Auslaufen der vor Aulis ankernden Flotte. Damit Agamemnon in den Krieg segeln kann, verlangt sie von ihm, seine Tochter Iphigenie zu opfern. Die ist der Sündenbock, der stellvertretend für alle büßt, ihr Opfertod reinigt die Gesellschaft. Zum Sündenbock-Modell gehört auch das Einverständnis des Opfers.
Diesen sakralen Schauder mildert schon die antike Mythologie, wenn die Göttin Iphigenie nach Tauris entrückt, erst recht die der aufklärerischen Rationalität verpflichtete Lösung, die Gluck und sein Librettist Du Roullet für ihre erste, 1774 in Paris uraufgeführte französische Reformoper «Iphigénie en Aulide» gefunden haben. Schach dem Mythos, sagt auch Andrea Moses, die das selten gespielte Stück jetzt in Stuttgart inszeniert hat. Aber ihr genügt nicht der Spruch des Oberpriesters Kalchas, der den Verzicht auf das Opfer verkündet. Gut ideologiekritisch sieht sie hinter dem kultischen Drama gewinnträchtige Wirtschaftsinteressen – der Afghanistan-Krieg lässt grüßen – und in Agamemnons Gegenspieler Kalchas (der wie ein islamistischer ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Uwe Schweikert
Biografisch-kalendarische Parallelen verweisen manchmal – über den puren Zufall hinaus – auf fundamentale Analogien oder Gegensätze. Wenn nun der hundertste Geburtstag von John Cage und der Tod von Hans Werner Henze so nahe beieinander liegen, so lässt dies über etwaige Zusammenhänge reflektieren. Wobei evident scheint, dass beide Komponisten so epochale wie polare...
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Die Welt als Wunsch und Vorstellung – Hans Christian Andersen glaubte nicht, dass sie die beste aller möglichen Welten sei. Die Sehnsucht, ein anderer zu sein, an anderem Ort, in anderer Zeit, war ihm suspekt. Ein fabelhaftes Zeugnis dieser Skepsis ist das Märchen «Galoschen des Glücks». Eine Fee bringt die verzauberten Überzieher unter die Leute, wer sie trägt...
