Reisebilder
Der Himmel von Wolken grau verhangen. Der steife Wind jagt die Regenböen über die Förde: ein – fast möchte man sagen typisches – Mai-Wochenende in Kiel. Man kann den Seeleuten nachempfinden, dass es sie bei solchem Wetter in die Ferne zog, und man ist dem Opernhaus dankbar, dass es einlädt zu einem Ausflug ins sonnige Arabien. Mit einer Trouvaille obendrein.
Der früh verstorbene französische Komponist Gabriel Dupont (1878-1914) hat mit seiner 1921 in Paris posthum aus der Taufe gehobenen und dann bis auf einige wenige Aufführungen vergessenen Großen Oper «Antar» ein orientalisches Sujet aufgegriffen, das den gleichnamigen beduinischen Hirten und Dichter aus dem 6. nachchristlichen Jahrhundert in den Mittelpunkt stellt und ihn zum Volkshelden und Glaubenskämpfer verklärt. Intrigen und eine zarte Liebesgeschichte würzen die Handlung, die mit dem gewaltsamen Tode Antars und einem Freiheitshymnus auf ein vereinigtes Arabien endet. Insgesamt eine Spätblüte der Grand Opéra, ein üppiger Klangrausch mit Schlachtenmusiken und Siegeschören, Liebesduetten und Verschwörerdramatik, pentatonisch eingefärbter Folklore und farbenreichen, zwischen Debussy-Impressionismus und der Pathetik des ...
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Schwer zu glauben, dass Boris Timofejewitsch das Alter plagt: Mit Klaus-Dieter Lerche als Katerina Ismailowas Schwiegervater steht in der Linzer Neuinszenierung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» ein überaus rüstiges und kernig singendes Mannsbild auf der Bühne, das gern unter offenem Hemd einen imposanten Brustkasten vorführt. Dennoch treibt ihn wohl...
Wenn der liebeshungrige und von der Liebe arg enttäuschte Orlando buchstäblich wahnsinnig wird, sieht er eine Hydra vor sich. Da sind René Jacobs und das Freiburger Barockorchester in ihrem Element. Gift und Galle toben aus dem Orchestergraben, und die Hydra steht im Raum wie eine Klangskulptur. Auch sonst hören wir Accompagnato-Rezitative als Klangrede im...
Er hat einen berühmten Vater. Und der wird selbst dann noch bewusst erwähnt, wenn sich der 1944 geborene Berliner Johannes Felsenstein (mit einer für ihn typischen, fulminanten «Elektra») in die Rente verabschiedet. Der Sohn Walter Felsensteins hat sich nicht nur im gleichen Metier als Intendant und als Regisseur getummelt, sondern mit seiner Arbeit stets zu Vision...
