Schöne Bescherung
Wenn der liebeshungrige und von der Liebe arg enttäuschte Orlando buchstäblich wahnsinnig wird, sieht er eine Hydra vor sich. Da sind René Jacobs und das Freiburger Barockorchester in ihrem Element. Gift und Galle toben aus dem Orchestergraben, und die Hydra steht im Raum wie eine Klangskulptur. Auch sonst hören wir Accompagnato-Rezitative als Klangrede im plastischen Sinn des Wortes: klingende Fragezeichen und Musik, die dreimal unterstreicht; Phrasen mit Punkt und Komma – und manchmal auch, wie beides wegfällt...
Wenn Orlandos Diener Pasquale Sein und Schein vertauscht, dann fiedeln die Geigen, als säße Vivaldi persönlich am ersten Pult. Und wenn die viel geprüfte Angelica, die es, wie viele Blondinen, nicht leicht mit den Männern hat, ihr «Dove son?» klagt, dann klagt die Solo-Oboe mit ihr: Passionsgeschichten, die von Herzen wieder zu Herzen gehen. Letzteres liegt daran, dass Marlis Petersen diese Angelica mit lyrischem Wohllaut ausstattet und, wenn es sein muss, auch mit virtuosen Koloraturkaskaden. So viel kunstvolle und feinsinnig empfundene Wahrheit schafft an diesem Abend sonst niemand auf der Bühne.
Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Berliner Staatsoper grosso modo ...
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Im November 2002 feierte an der Berliner Staatsoper Schostakowitschs «Die Nase» unter Kent Nagano Premiere – eine Aufführung, die vor allem wegen des Bühnenbildes und der Kostüme von Jörg Immendorff größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Sechs Jahre später gab das Mariinsky Theater unter Valery Gergiev in der Deutschen Oper ein mehrteiliges Gastspiel – auf...
Das ist gewiss rekordverdächtig: Zwei junge Komponisten, Mark Moebius und Karola Obermüller, haben unter Assistenz von sechs librettistischen Zuarbeitern nach Sibylle Bergs Stück «Helges Leben» eine Oper geschrieben, die unter Mithilfe zweier Dirigenten und zweier Regisseure am 31. Mai vom Theater Bielefeld (in Kooperation mit der Deutsche Bank Stiftung und dem NRW...
Unser Österreich-Korrespondent zuckte nur mit den Achseln: Eine Überraschung sei das nicht. Jeder habe es erwartet. Nehmen wir also zur Kenntnis: Der Chef der Salzburger Festspiele heißt ab Herbst 2011 Alexander Pereira. Schon als Gerard Mortier nach zehn ungemein produktiven Jahren Salzburg verließ, war Pereira im Gespräch. Und dann wieder, als Mortiers Nachfolger...
