Rasende Erwartung

Komische Oper Berlin: Barrie Kosky deutet Schönbergs «Moses und Aron» mit Beckett, Vladimir Jurowski entfesselt die explosive Klanglichkeit der Partitur

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«O Wort, du Wort, das mir fehlt!» Jäh endet der Torso der Schönberg-Oper: Moses scheitert an der Beharrlichkeit einer allzu abstrakten Gottesidee – Bruder Aron an seinem verführerisch gleißenden Populismus. Moses’ selbstquälerischer Ausruf enthüllt die ganze Tragik eines Propheten, der seinen Gott nur denken, ihn dem in Gefangenschaft darbenden Volk Israels aber nicht verkünden kann. Für Propaganda ist Aron zuständig.

Robert Hayward tastet und tapert als ein gebrechlicher, weltfremder, etwas schrulliger Mann Moses über die Bühne, seine Stimme in der Sprechrolle klingt weniger verzweifelt oder rebellisch als die seiner Rollenvorgänger, etwa Günter Reich, Rolf Boysen oder John Tomlinson. Ratlosigkeit und tiefe Resignation beherrschen diesen Moses: «So war alles Wahnsinn, was ich gedacht habe, und kann und darf nicht gesagt werden!» Umso geschwätziger Aron, John Daszaks geschmeidiger Tenor, der mit der rhetorischen Eleganz seiner Gesangskunst, seiner alerten Erscheinung dem Volk Vertrauen einflößt.

Kein «kostümiertes Oratorium» wollte Barrie Kosky aufführen. Auf der leeren, nach hinten sacht ansteigenden Terrassenbühne entfalten er und Bühnenbildner Klaus Grünberg kraftvoll Schönbergs ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wolfgang Schreiber

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