An Bartók Maß genommen
Die neue Oper von Peter Eötvös verdankt sich einem Joint Venture: einem schon vor geraumer Zeit vergebenen Kompositionsauftrag der Kölner Philharmonie sowie einem jüngeren, auf Vorschlag von Henri Dutilleux erteilten des New York Philharmonic Orchestra. Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort ließ sich darauf ein – unter der Bedingung, dass die Uraufführung in Köln stattfindet.
Das so entstandene Stück hatte Eötvös in Gedanken schon lange beschäftigt: Als Dirigent fand er die üblichen Kombinationen von Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg», etwa mit Schönbergs «Erwartung», unbefriedigend. Er wollte stattdessen direkt bei Bartók anknüpfen: dieselbe Orchesterbesetzung, dieselbe Personenkonstellation, eine ähnliche Dramaturgie der allmählichen Enthüllung seelischer Abgründe.
Den passenden Stoff fand er in einer Novelle von Alessandro Baricco: «Senza sangue» spielt irgendwo und irgendwann im spanischsprachigen Teil der Welt. Ein Bürgerkrieg hat stattgefunden, ehemalige Guerilleros überfallen einen Schergen des alten Regimes. Doch sie töten nicht nur ihn, sondern auch seinen Sohn. Einzig die Tochter überlebt im Versteck. Zwar entdeckt sie einer der Mörder, doch verrät er sie ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ingo Dorfmüller
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