Rameau: Dardanus
Trier liegt nur einen Katzensprung von Frankreich entfernt, und doch dauerte es nach der Gründung des Theaters 206 Jahre, bevor erstmals eine Oper von Jean-Philippe Rameau aufgeführt wurde. Mit «Dardanus» kam die Renaissance des französischen Barock-Komponisten nun auch in der unmittelbaren Nachbarschaft an. Gespielt wurde eine Mischfassung aus Rameaus diversen Bearbeitungen, inklusive des ursprünglichen Prologs in der Götterwelt, aber mit massiven Strichen bei den Ballett-Zwischenspielen – musikalisch ein Verlust, für die Flüssigkeit der Aufführung eine kluge Entscheidung.
Dem Libretto mit seiner sagenhaften Handlung um Liebe, Pflicht, Macht und die Gunst der Götter kann man auf zweierlei Weise zu Leibe rücken: Entweder macht man ein turbulentes Spektakel daraus, was womöglich den Unterhaltungswert erhört, aber zu Lasten der Musik geht. Oder man nutzt das Prinzip der Minimalisierung und Konzentration. Regisseur Wolf Widder und sein Bühnenbildner Michael Goden entschieden sich für eine strenge, konsequente Stilisierung. Eine kühle Säulenhalle als Einheitshintergrund, die Szenenwechsel durch kleine Accessoires angedeutet. Schwarze Stühle für den Palast der Venus, wo das Vorspiel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man muss nicht – wie Jean-Pierre Ponnelle in seinem auf DVD dokumentierten Münchner «Cardillac» von 1985 – den filmischen Expressionismus als Konzept wählen, um die Zwanzigerjahre-Vertonung der E. T. A.-Hoffmann-Erzählung von einem Goldschmied, der sich seine geliebten Geschmeide mittels Mord von den Käufern zurückholt, schlüssig zu erzählen. Und gewiss hätte sich...
Die Unterwelt des Bewusstseins, ihr rätselhaft Abgründiges und Monströses, hat Harrison Birtwistle schon immer fasziniert. Zumal in den Bühnenwerken findet die Vorliebe des 73-jährigen Doyens der britischen Komponistenszene beredten Ausdruck. Gleich der (vor vier Jahrzehnten in Aldeburgh uraufgeführte) Erstling steckte ein Terrain ab, das auf der Nachtseite der...
Ernst Kreneks «Johnny spielt auf» und Erwin Schulhoffs «Flammen» in einer Spielzeit: Das Pfalztheater Kaiserslautern traut sich was. Eine Stückewahl, die man im nicht gerade theaterprallen Rheinland-Pfalz eher beim Mainzer Staatstheater vermuten würde. Und das auf teils sehr beachtlichem Niveau.
Die Grundprobleme, die Schulhoffs einzige Oper von 1929 an jede...
