Hindemith: Cardillac
Man muss nicht – wie Jean-Pierre Ponnelle in seinem auf DVD dokumentierten Münchner «Cardillac» von 1985 – den filmischen Expressionismus als Konzept wählen, um die Zwanzigerjahre-Vertonung der E. T. A.-Hoffmann-Erzählung von einem Goldschmied, der sich seine geliebten Geschmeide mittels Mord von den Käufern zurückholt, schlüssig zu erzählen.
Und gewiss hätte sich aus der Idee von Jörg Behr (Regie), Marc Weeger und Silke Willrett (Bühne und Kostüme), einen modernen Verkaufsraum mit geheimnisvoll beleuchteten Vitrinen für wertvolle Preziosen zum Zentrum der Oper zu machen, ein spannender Abend entwickeln können. Doch statt das Wagnis eines Einheitsraums zwischen tagheller Öffentlichkeit und nächtlichem Versteck eines schizophrenen, besitzergreifenden Künstlers einzugehen, wurden auf beständig sich bewegender Drehbühne auch die angrenzenden, rätselhaft möblierten Privaträume Cardillacs diffus bespielt.
Weder fand der Regisseur für den getriebenen Goldschmied (sehr differenziert gesungen von Mark Morouse) ein charakteristisches Repertoire an Gesten und Bewegungen noch für die übrigen Solisten. Sally du Randts sonst so überzeugende Bühnenpräsenz fehlte, musikalisch war sie mit ihrer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zum 100. Geburtstag von Rimsky-Korsakow überraschte das Teatro Lirico in Cagliari mit einer szenisch und musikalisch gelungenen Inszenierung des Meisterwerks «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronia». Die Koproduktion mit dem Bolschoi Theater wird im Oktober auch in Moskau gespielt. Die vorletzte Oper des Komponisten wurde in...
Er ist ein Dirigent, der die Oper nie zu einer Lebensform oder zum Lebensinhalt gemacht hat. Und das, obwohl er im Schatten des Mailänder Teatro alla Scala aufwuchs. Als Siebenjähriger besuchte Claudio Abbado den Operntempel zum ersten Mal, erlebte dort später Victor de Sabata, Toscanini, die junge Callas. Und doch war für ihn, den Sohn eines Geigers und...
«Nijinskys Tagebuch für zwei Sänger, zwei Schauspieler, zwei Tänzer und Instrumente» nennt Detlev Glanert seine Auftragskomposition für das Theater Aachen: ein kaum kaschierter Hinweis darauf, dass ihn das Schicksal des historischen Nijinsky weniger interessiert. Auch nicht seine herausragende Stellung innerhalb der Ballets Russes des Serge Diaghilew. Es ist...
