Radikal jung, immersiv, explosiv
Dieser Klang kommt nicht aus der Stille. Er flutscht und knallt aus den Kehlköpfen heraus, mit einer Kraft, die einen beinahe umhaut: «Tschu-Tschu-Tschu!» Und noch einmal: «Tschu-Tschu-Tschu!» Auf den kollektiven Schrei folgt ein Tanz, der das Zeug zur rituellen Orgie hat. Furios ist dieser Tanz, feurig, fetzig, völlig enthemmt; ein Vulkan aus Expressivität und Ekstase bis zur totalen Erschöpfung. Sein Ausbruch verwandelt das elegante Foyer der Nationale Opera Amsterdam binnen Sekunden in ein schier berstendes Energiefeld.
25 junge Frauen und Männer, vereint zu einer Skulptur aus Stimmen und Körpern auf glatt-hartem Boden. Gäbe es so etwas wie die Erfüllung von Wagners Wunsch «Kinder, schafft Neues!», hier wäre der Ort, wo das geschieht. Wow!
Oder besser: «WILD». So nämlich nennt sich die knapp halbstündige Choreografie aus Tanz und Musik und Schauspiel, die der flämische Theatermacher Gregory Cears mit Studenten der MBO Theaterschool Rotterdam realisiert hat. Es geht dabei um das Unbeherrschbare, das Fremde, aber auch: das Eigene. Um Dinge also, die wunderbar zum Thema des diesjährigen Opera Forward Festivals passen: «Identität und Konfrontation – Angst vor dem Unbekannten».
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Jürgen Otten
Kathinka Pasveer
Als Solistin bei den Uraufführungen der einzelnen Teile aus dem «Licht»-Zyklus und führende Mitarbeiterin im Studio für Elektronische Musik beim WDR zählte sie zum inner circle von Karlheinz Stockhausen. Jetzt übernimmt die Flötistin die musikalische Leitung des Projekts «Aus Licht» beim Holland Festival. Eine Reportage
Georg Friedrich Haas
Er...
Der russische Komponist Alexander Wustin, geboren 1943, hat sich den Ruf eines ernsthaften, tiefgründigen Avantgardisten erworben. Sein intensives Erleben der Zeitgeschichte als Raum für das aktuelle Musikschaffen lässt ihn in gewisser Weise zu einem Erben Anton Weberns werden. Vladimir Jurowski, seit 2011 Leiter der Jewgenij-Swetlanow-Symphoniker, ernannte Wustin...
Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen. Traurige Erkenntnis ist...
