Puccini: Tosca
Diese Oper ist nicht unterzukriegen, nicht von prasselndem Regen, nicht von schimpfenden Vögeln, erst recht nicht von der Tatsache, dass der große ehemalige Reitstall von Gut Immling über ein zwar breites Portal, aber weder über Schnürboden noch über Seitenbühnen oder andere Technik verfügt.
So hat Verena von Kerssenbrock nicht nur schöne, Historie und Moderne verquickende Kostüme entworfen, sondern sich für ihre «Tosca»-Inszenierung einen perspektivisch verkürzten surrealen, Tiefe vortäuschenden Raum aus Giorgio-de-Chirico-Arkaden gebaut, der von einem Spinnennetz zusammengehalten und einem großen Stufenaltar mit weißem Kreuz in der Mitte dominiert wird. Dort hängt das Bild der Schönen mit den braunen Augen, die Cavaradossi malt, dort wird eine bluttriefende Guillotine sichtbar, wenn Tosca dieses Bild herunterreißt. Und dort wird sie auch in den Tod springen.
Ansonsten entfacht die Regisseurin viel Aktion. Selten haben Cavaradossi und Tosca so engen Körperkontakt, spielen sie das Verliebtsein eines jungen Paars so ausgiebig wie hier. Und auch der geile Polizeichef legt nicht nur einmal Hand an die berühmte Sängerin. Doch das ist Verena von Kerssenbrock nicht genug, sie setzt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Händels «Theodora» und Verdis «Falstaff», Berlioz‘ «Bérénice et Bénédict» und Monteverdis «Poppea» – und zum Ende der Saison noch Alban Bergs «Lulu» und Jean-Philippe Rameaus «Les Boréades»: lauter letzte oder späte Werke – eine wahrlich originelle Dramaturgie. Die Straßburg-Mulhouse-Colmarer Opéra national du Rhin kam darauf. Und keineswegs unoriginell auch das...
Sieben CDs hat «Opernwelt» bisher herausgebracht – exklusiv für unsere Leser. Immer waren es Aufnahmen, die erstmals auf CD erschienen. Und immer haben wir Künstler in den Mittelpunkt gestellt, die von der Plattenindustrie kaum beachtet oder einseitig eingesetzt wurden. Martha Mödl zum Beispiel war wirklich glücklich, dass sie am Ende ihrer langen Laufbahn auf der...
Vielleicht ist «La forza del destino» tatsächlich Verdis problematischste Oper. Denn ihr kruder Mix aus hitziger Ekstase zweier junger Männer, der Leidenskraft einer Frau, religiöser Introversion und surrealer Kriegsverherrlichung bündelt Kräfte, die nicht selten aneinander zerren und das dramaturgische Gefüge zum Knirschen bringen. David Alden, sonst nicht...
