Proben ist eine Kunst für sich
Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970 mit dem Südfunk-Sinfonieorchester die Ouvertüre zur «Fledermaus» probierte (TDK). Aber das Orchester hatte es auch nicht leicht mit ihm.
Die knappe Probenstunde, die die Kameras damals eingefangen haben, zeigt dann, wie beide aneinander wachsen. Natürlich spielen die Stuttgarter Radio-Musiker nie so, wie später das Bayerische Staatsorchester mit Kleiber im Strauß-Rausch delirierte. Aber sie lernen doch, dass ihr 40-jähriger Maestro etwas kann. Und der lernt, die Kluft zwischen seinem inneren Ohr und dem real existierenden Klang zu verbalisieren. Am Anfang klingt es noch etwas peinlich, wenn er anfeuert: «Ich möchte das genießen. Dazu ist man ja da.» Und er muss ein «Sie auch!» einschieben, um die Situation zu entschärfen. Doch allmählich fängt die Musik an, Musik zu werden, und das trockene Studio weitet sich zum ...
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