Geometrie des Schreckens
Eigentlich müssten die dunklen, ungreifbaren Ängste der Mélisande und ihres Schwagers Pelléas in Palermo, wo die ungreifbare Mafia herrscht, auf eine gewisse Seelenverwandtschaft treffen: Nichts ist gewiss, aber alle wissen es. Gewiss ist nur, dass der derzeit mächtigste Boss Bernardo Provenzano seit mehr als vierzig (!) Jahren unauffindbar ist, obwohl er in Palermo oder Umgebung lebt.
Aber die Geometrie der Ängste war den Palermitanern vielleich allzu nah, ein müdes Publikum fand Debussy fad, und die Inszenierung von Pier’Alli, mit seiner Ausstattung, die 1997 in Lille Preise einheimste, löste nur Ratlosigkeit aus.
Dabei ist Pier’Allis Phantasie eindringlich und leicht zu entschlüsseln: Er hat die Technik seiner frühen Experimente, Psychisches in abstrakte Bildwelten zu übersetzen, eher vereinfacht. Im «Pelléas» entspricht dem Intellekt und der Klarheit eine gotisierende Geometrie aus Spitzbögen und Kreissegmenten, dem Sentiment eine vegetabile Formenwelt, tropfsteinige Wälder aus Stalaktiten und Stalagmiten. Die Bilder verweisen aufeinander, das Riesengestirn eines bleichen Planeten kehrt immer wieder. Ist er die Heimat Mélisandes oder des Kleinen Prinzen von Saint-Exupéry? ...
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