Präzision und Brio
Im Rückblick hat das Verdi-Jahr 2013 kaum aufregende Erkenntnisse oder gar Neubewertungen hervorgebracht. Umso erstaunlicher, dass nun, zum Ende des Folgejahrs, eine der als problematisch geltenden und deshalb bislang stiefmütterlich behandelten frühen Opern Verdis großes Interesse findet: Die Schiller-Adaption «Luisa Miller» scheint ihr schwieriges Image plötzlich triumphal abzustreifen. Die Neuproduktion der Hamburger Staatsoper (siehe S.
40) trennten nur ein paar Tage von der Premiere des Aachener Opernhauses, wo Regisseur Mario Corradi das Geschehen in ein heutiges Mafia-Milieu überträgt. Wenige Kilometer jenseits der Grenze, am schmucken Opernhaus von Liège, gab es eine dritte Inszenierung. Erwartungsgemäß fiel die Regie von Jean-Claude Fall deutlich konservativer aus. Für inszenatorische Wagnisse ist das Haus nicht bekannt – in den Schaukästen werden nach wie vor als Lockmittel üppige historisierende Kostüme präsentiert.
Allerdings siedelt Jean-Claude Fall die Handlung – eine Intrige um eine nicht standesgemäße Liebe im Abendrot des Feudalismus – weder in der Zeit Schillers noch in der Entstehungszeit von Verdis Oper an, sondern verlegt die Handlung in den italienischen ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein...
Als «Schöpfer eines ganz neuen Geschmacks» hat der schwäbische Dichter und Rebell Schubart den von 1753 bis 1769 am Stuttgarter Hof wirkenden Niccolò Jommelli gerühmt. Wie der erfolgreichere Gluck hat auch Jommelli die Opernreform vorangetrieben, indem er die musikalische Dramaturgie der starren italienischen Seria nach dem Vorbild der französischen Tragédie...
Wieder so ein Missverhältnis auf dem CD-Markt, jenes zwischen der tatsächlichen Bedeutung des Stars und dem Widerhall auf Silberscheibe. Wer auch immer daran schuld ist, schlafende Plattenfirmen oder eine übervorsichtige Sopranistin: 14 Jahre jedenfalls ist es her, dass Dorothea Röschmann ein Solo-Album mit deutschen Arien von Händel vorgelegt hat. Und jetzt erst,...
