Polystilistische Dekadenz
Mit der Darmstädter Avantgarde assoziiert man alles Mögliche, von Serialismus bis Elfenbeinturm, aber nicht unbedingt Musiktheater. Das Luzerner Theater hat jetzt etwas Archäologie der späten Moderne betrieben und dabei mit Bruno Madernas Einakter «Satyricon» eine kleine Kostbarkeit ausgegraben. Das 1971 entstandene und 1973, im Todesjahr des Komponisten, uraufgeführte Stück erweist sich heute, da manche Politiker von spätrömischer Dekadenz sprechen und dabei auf andere zeigen, wieder unerwartet aktuell.
Das von Maderna und dem Uraufführungsregisseur Ian Strasfogel verfasste mehrsprachige Libretto basiert auf dem «Gastmahl des Trimalchio», einer Szene aus dem episodenhaften Roman «Satyricon» von Titus Petronius, bei dem sich auch Fellini für seinen gleichnamigen Film bediente. Der römische Autor protokolliert darin den Sittenzerfall zu Kaiser Neros Zeiten mit kühler Distanz.
Maderna, einst geigendes Wunderkind, später Kenner des venezianischen Cinquecento, hochgeachteter Lehrer und Dirigent der Nachkriegsmoderne, zeigt sich in «Satyricon» als völlig undogmatischer Komponist. Schöne Melodiefragmente verschmäht er nicht, seine facettenreiche Musiksprache versetzt er – oft mit ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Max Nyffeler
Wären «Die Feen» (1833) nicht von Wagner – kein Mensch würde sich für diesen Aufguss barock-romantischer Ritter- und Zauberspektakel interessieren. Es gibt wichtigere und bessere Stücke der Zeit und des Genres, wie Fouqués «Undine», Spontinis «Agnes» und Offenbachs «Rheinnixen». Auch Meditationen darüber, dass der Komponist erst 20 war, sind nicht abendfüllend....
Treppenhaus und Diele im gediegenen Landhausstil. Barockmöbel, an den Wänden Ahnenbilder (darunter Heinrich VIII.). Doch das intakte Dekor täuscht, denn Enrico, der in diesem Ambiente herrscht, gleicht weniger einem englischen Monarchen als einem kalifornischen Gouverneur. Den muskulösen Körper im gut sitzenden Anzug, eine Zigarette nach der anderen qualmend,...
Es war sicher nicht nur Bewunderung, die Richard Wagner für Gaspare Spontini hegte. Man spürt auch leise Ironie, wenn der Sachse in seinen Erinnerungen «Mein Leben» von den Begegnungen mit dem fast vier Jahrzehnte älteren Star des Opernbetriebs aus Italien spricht – der Erfolg der anderen war ihm nicht selten suspekt.
Dem Erfolg jedoch sollte keine Nachhaltigkeit...
