Politisch korrekt
Taugt das Metier der Oper als Mahnmal? Die Initiatoren der Uraufführung «Dunkelrot» bestreiten energisch, dass es ihnen mehr um ein gesellschaftspolitisches Signal als um die innere Dynamik des Musiktheaters ging. Ein riskanter Versuch war es allemal, den das Nürnberger Staatstheater im Dienste der als «Stadt der Menschenrechte» alle zwei Jahre an die Öffentlichkeit drängenden Kommune mit diesem Auftragswerk wagte.
Nicht nur wegen der etwas konstruiert wirkenden Betroffenheitskonfektion zum exakt vorgegebenen Anlass: der Vertonung biografischer Spuren einer früheren Trägerin des Menschenrechtspreises, termingerecht umgesetzt zur Auszeichnung einer weiteren. Auch die gesuchte Symbolik bei der Wahl des Aufführungsortes – gespielt wurde im Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände an Albert Speers Colosseum-Ruine – wirkte problematisch.
In «Dunkelrot» geht es um die Flucht einer gefolterten Afrikanerin ins europäische Asyl und das unbarmherzig schwingende Pendel von Gleichgültigkeit und Ausgrenzung in westlichen Gesellschaften. Haltungen, die keineswegs bloß die Spezialität von Neonazis sind.
Mit fünfzehn markant eingesetzten Instrumentalisten und «Atmo» stiftender Elektronik wird diese ...
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